Archive for Februar, 2008

Buchstabensuppe – Namen für Startups

28. Februar 2008

[Kurzfassung: Gute Namen und Domains sind rar. Im Trend des Web-Namings liegen Doppelvokale, Zahlen, Personalpronomen wie Mein, Dein, Unser und demnächst auch 3. Person?]

Du bist gerade Vater geworden, stolz wie Oskar. Kommst aufs Standesamt und willst Deine Lea oder Deinen Rüdiger anmelden und es heißt: Da war schon einer, das geht nicht mehr. Du wirst sie oder ihn Leeaa oder RüdigR nennen müssen. So schauts aus in der schönen bunten Startup-Welt.

Wehmütig blickt man zurück in eine Zeit, in der das schlichte Anhängen von „-online“, „2000“ oder Voranstellen von „e-“ noch reichte. Selbst die „i-“ Namen werden knapp. Von „24“ und „VZ“ sollte man mit schmalem Budget bekanntlich die Finger lassen. Oder man schaut noch weiter zurück, als die Unternehmen noch Thyssen oder Bosch hießen. Der von Brand Channel 2004 prognostizierte Trend zu Vornamen als Marken scheint sich nicht durchgesetzt zu haben. Selbst Pauls Mama wird umbenannt.

Einstweilen offenbart ein Blick ins Web 2.0 Sammelalbum eine Reihe von Naming-Trends für Startups. Die Not zur Tugend machen heißt das Gebot der Stunde, denn (fast) der gesamte Duden ist registriert. Die Muster der Namensfindung gleichen sich: Vokale verdoppeln oder weglassen, Zahlen einbauen, Wortkombinationen. Für einen Rückblick über das Jahr 2007 im englischsprachigen Raum sorgt Nancy Friedman. Einige ihrer Beobachtungen kann man auch schon hier machen.

Sie hat unter anderem einen Trend zu Personalpronomen ausgemacht. Im Falle von „mein“ fällt das Magix Georg Krüger auch hier auf. Aktuell im Sammelalbum dazu: MyPipeline. Der Trend zur dritten Person, den Nancy ausmacht (They’re Beautiful, She’s Geeky), ist hier anscheinend (noch) nicht angekommen. Dafür scheinen die Zahlenspielchen (bekannt 37signals, aktuell 7tasks, 360cities) nach Deutschland zu kommen. Einer der ersten Vertreter: 7evendays.

Die unsägliche „R“-Welle nach dem Erfolg von Flickr scheint abgeklungen zu sein. Bei so viel „Vowel Dropping“ hatte ich schon gedacht, im Web 2.0 müsste man Vokale wie beim Glücksrad kaufen und die armen Gründer könnten sich das nicht leisten. Stattdessen scheint nun ein regelrechter Vokal-Hype ausgebrochen zu sein: Besonders Startups im Shopping-Bereich, folgen dem Doppelvokal-Muster von woot, allen vorneweg der deutsche Klon guut.

Wenn man diese Namen im Gespräch auch buchstabieren muss, damit das Gegenüber die URL kennt (bei beeings hat man diese Problematik schon erkannt), lassen sie sich wenigstens aussprechen. Ganz im Gegensatz zu anderen verstümmelte Schreibweisen wie aktuell Shifd, oder Traackr, das den unaussprechlichen Namen mit Buchstabierzwang noch mit einem unleserlichen Logo abrundet. Ein echtes Highlight. Dagegen stechen unter anderem Tikkler und Twimbler heraus, die sich allein mit ihrer intakten Endung schon abheben können.

Bei der Namensfindung für sonntagmorgen haben wir, als wir in der gedanklichen Sackgasse steckten, Wortfelder als Mindmaps erstellt, geschichtliche und sonstige Fachartikel gelesen und eine Typologie der Mitbewerber-Namen erstellt. Am Ende sind brauchbare Ergebnisse herausgekommen, denen es aber im Gegensatz zu sonntagmorgen an Seele mangelte. Das war letztlich eine Bauchentscheidung und eine, mit der wir immer noch sehr glücklich sind.

Eine gute Checkliste fürs Startup Naming gibts bei Folksonomy, eine weitere bei Guy Kawasaki. Wir haben uns nicht dran gehalten. Geholfen hats trotzdem.

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Kleingewerbe im Polysemierausch

27. Februar 2008

Beim Vorbeigehen an der Schneiderei Tuchfühlung in meiner Nachbarstraße ist das Fass übergelaufen. Haarspalterei, Abschnitt, Kopfsalat… wo ist der Frisör Müller geblieben? Mit herbeigezwungenen Polysemen soll wohl Originalität transportiert werden, in der Hoffnung, dass sich der Kunde später noch an den witzigen Namen seines „Haarspalters“ erinnert. Dumm nur, dass alle in den gleichen Bildern sprechen. Bei mir würde der Frisör Schmitz mittlerweile wieder besser hängen bleiben.

Feeling Funky Tonight?

27. Februar 2008

Gute Nacht!

SponsR

26. Februar 2008

Nach dem Barcamp Mitteldeutschland hat Cem den Sonntagmorgen Kaffee zum zweiten Barcamp-Catering-Standard nach Walthers Obstsäften ausgerufen und die Vorstellung eines Barcamp-Marketender-Trosses entwickelt, der dem großen Webzwonull-Konferenztreck hinterherzieht. Das fände ich zu eintönig und kaum praktikabel. Stattdessen habe ich „SponsR“ vorgeschlagen, ein Internetmarktplatz für Sponsoringanbieter und -Nachfrager.

Auf Cems Anregung breite ich die Idee hier aus, als Vorschlag für das StartupWeekend Cebit oder für irgendjemand anders. Es wäre schön, eine solche Plattform zu haben. Ich gebe gern noch weitere Anregungen oder helfe, bin aber auch nicht böse, wenn das jemand für sich in die Hand nimmt.

Eigentlich ist es simpel: Auf dem Marktplatz tragen Firmen (und eventuell Privatpersonen) ein, welche Leistungen und Produkte sie zur Verfügung stellen könnten, in welchem Bereich sie das tun und was evtl. die Bedingungen sind (Nennung auf Plakaten, Pressepräsenz o.ä.). Auf der anderen Seite stehen Vereine und Veranstalter von Events, die eine Beschreibung ihrer Veranstaltung und ihren Bedarf veröffentlichen. Bei einem Matching schließen beide Parteien einen Vertrag, für den Vorlagen zur Verfügung stehen. Eventuell könnten die Sponsoren ein Sponsoring-Portfolio führen.

In erster Linie habe ich an Sachspenden gedacht, aber natürlich könnte SponsR auch die Plattform für Geldspenden zur Verfügung stellen: Payment-System, Blog, Spendencounter etc… – das Tüpfelchen auf dem „i“ wäre eine Art Zertifizierung des jeweiligen Projekts, um Vertrauen zu schaffen und Mißbrauch zu vermeiden.

Wer das für eine sozialromantische Spinnerei hält, den stoße ich gern mit der Nase darauf, dass es nicht anstößig ist, für erfolgreiche Vermittlungen oder pauschal für die Teilnahme eine Gebühr zu erheben. Sponsoring ist ein Milliardenmarkt (Hat jemand aktuelle genaue Zahlen für den deutschen Markt?).

Erst jetzt fallen mir die Verbindungen zum schweizer Projekt amazee auf, von dem uns das charismatische Gründer-Ehepaar beim Barcamp Hannover erzählt hat. Es handelt sich um eine Art Groupware für soziale Projekte. Schade, dass die Plattform noch nicht öffentlich ist, sonst könnte ich mehr erzählen.

Bisherige Angebote in diesem Bereich sind entweder klinisch tot oder befassen sich nur mit den „großen“ Projekten. Das kann man besser machen. Und alle hätten etwas davon.

Fehlen Worte

25. Februar 2008

Warum haben wir eigentlich nur ein einziges Wort für Liebe? Das ist für mich der Gipfel des Schubladendenkens und führt zu so viel Mißverständnissen. Ein einziges Wort für Weiß, ein einziges für Schnee mag einem Inuit nicht genügen, für unsere Breiten reicht es. Aber einer der vielschichtigsten Emotionen derart ignorant gegenüberzustehen… sträflich!

Schade, dass ich so wenig von fremden Sprachen verstehe. Ich wüsste gern, wie andere Kulturen das handhaben. Im Spanischen gibt es zum Beispiel das Wort „desamor“, was so viel wie „Entlieben“ bedeutet, und entgegen unserer eher substanziellen Vorstellung „Liebe an – Liebe aus“, auf der Vorstellung von Liebe als ständig ab- und zunehmende, also sich stets verändernde Emotion basiert.

Über das, wofür wir keine Worte haben, kann nicht gedacht werden. Ich hätte gern mehr Worte. Wer welche hat, mag sie bitte hierlassen.

Meine Peer Group

25. Februar 2008

gesehen bei Heise

An den langen Haaren arbeite ich gerade wieder, für den Taxischein und mein Studium hab ich keine Zeit. Einen differenzierteren Bericht über das Barcamp Hannover hab ich für Sonntagmorgen geschrieben.

Fürs nächste mal in Essen hab ich zwei Themenvorschläge gemacht. Interesse?

Was ist eigentlich eine Abmahnung?

23. Februar 2008

Aus gegebenem Anlass lese ich hier und in anderen Blogs im Augenblick viele Kommentare über Abmahnungen. Diese basieren aber oft genug auf falschen Annahmen wie der, dass der angebliche Geschädigte die Abmahngebühr einstreiche. Zeit für einen Beitrag mit der Erklärung, wie eine Abmahnung aussieht, woher sie kommt, welche Konsequenzen sie hat und wohin das unverschämt viele Geld fließt.

Zunächst mal ist eine Abmahnung nur eine formale Aufforderung zur Unterlassung. Sie enthält eine Beschreibung des Sachverhalts unter Hinweis auf relevante Gesetze(sverstöße), eine Unterlassungserklärung zur Unterschrift durch den Empfänger und eine Frist, nach der rechtliche Schritte eingeleitet werden. So ein Schreiben muss nicht unbedingt von einem Anwalt kommen, sie muss nicht einmal schriftlich erfolgen (es geht auch telefonisch).

Für gewöhnlich kommen Abmahnungen aber per Post vom Anwalt mit beiliegender Vollmacht des Geschädigten. Die Abmahngebühr, teilweise fälschlich als „Strafe“ bezeichnet, ist im Grunde nichts weiter als die Rechnung des gegnerischen Anwalts. Sie bemisst sich am zugrunde gelegten Streitwert und muss nur bezahlt werden, wenn die Abmahnung berechtigt war. Im Rahmen einer Geschäftsführung ohne Auftrag handelt der Anwalt dann rein rechtlich im Interesse des Abgemahnten, weil er um ein viel teureres Verfahren herumkommt.

Manch ein Abgemahnter wähnt sich im Recht und gibt dennoch klein bei, weil er einem übermächtigen Gegner gegenübersteht, der sich den Gang durch alle Instanzen leisten kann. „Faktisches Immaterialgüterrecht“ nennt man das wohl.

Wer glaubt, vor Gericht zu gewinnen und es darauf ankommen lassen will, braucht erst mal gar nichts zu tun und kann auf die Klage der Gegenseite warten – wenn die denn kommt und es sich nicht ohnehin um zweifelhafte Massenabmahnungen handelt.

Gesetzlich geregelt sind Abmahnungen mittlerweile u.a. im §12 UWG. Mit etwas Glück werden die Gebühren für die erste Abmahnung bald auf 50 Euro begrenzt. Wie schon gesagt braucht es jetzt schon für eine Abmahnung weder einen Anwalt noch ein postalisches Schreiben. Einige vernünftige Anwälte empfehlen zunächst eine formlose Mail. Diese wäre auch bereits eine Abmahnung, nur bei Weitem nicht so teuer. Aber wohl viel zu menschlich.

P.S.: Udo Vetter listet einige interessante Urteile, die daran zweifeln lassen, ob StudiVZ, die eigene Anwälte haben, überhaupt die teuren Dienste einer internationalen Kanzlei hätte in Anspruch nehmen dürfen. Abmahnungen sollten mal ein sinnvolles Instrument sein, um Streitfälle schon ohne Verhandlung günstig beizulegen. Schade, dass sie so als Druckmittel entstellt werden.

UPDATE: Jetzt nehmen sich auch Online-Leitmedien und TV der Abmahn-Welle an: Selbständig im Netz weist auf die WDR-Reportage „Die Abmahner“ heute abend um 22 Uhr hin. Und offenbar arbeitet auch Heise an einem längeren Artikel.

Nicht MeinVZ

20. Februar 2008

[Kurzfassung: drittes HoltzbrinckVZ kommt in Kürze, Targeting ist unvermeidlich, Ignoranz und Arroganz gegenüber den Usern schon, neue VZ-Abmahnungen sind unterwegs, ich find’s doof. Danke.]

Aha. „MeinVZ“ soll die Antwort auf den kommenden Facebook-Markteintritt in Deutschland und die Proletarisierung des STUDIvz wohl heißen. Turi2 tippt eher auf freundeVZ, was an anderer Stelle von StudiVZ-CEO Marcus Riecke bestritten wurde. Beide Namen würden der angekündigten deutsch-englischen Seite international wohl nicht all zu gut stehen. Wie auch immer es heißen soll, mein VZ wird es nicht.

Im SZ-Interview beruft sich Riecke, nach Facebook gefragt, auf den viel(zu viel)beschworenen Netzwerkeffekt und hat die Chuzpe, StudiVZ in Sachen Bedienung und Funktionalität mit dem iPod zu vergleichen. Er gibt PR-Fehler zu, aber nur die. Die Einführung der neuen AGB wäre nur schlecht kommuniziert worden.

Er hat natürlich recht damit, dass über kurz oder lang kaum ein Social Network am Targeting vorbeikommt. Personalisierte Werbung wird kommen (bei StudiVZ mit kommerziellem Erfolg wohl erst, wenn der Holtzbrinck-Vermarkter GWP damit mal fertig wird). Meine Güte, schon als ich mir bei GMX meine erste Mail-Adresse zugelegt habe, bin ich zu Werbezwecken nach meinen Interessen gefragt worden. Und guess what – ich habe weitgehend wahrheitsgemäß geantwortet. Weil Marktforschung kein Verbrechen ist und weil ich lieber Werbung sehe, die mich eventuell interessiert, als irgendeinen Mist. Ist es naiv, dass ich mich für einen mündigen Konsumenten halte?

Als mündiger Konsument ziehe ich aber auch meine Schlüsse daraus, wie ein Unternehmen mit mir kommuniziert. Da ist es mir auch herzlich egal, ob das von Managementfehlern oder einer generellen Mißachtung herrührt. Letztlich fühle ich mich als Kunde mit meinem Netzwerk und meinen persönlichen Daten schlecht aufgehoben, die es für einen kleinen Schnitzer halten, ihre Nutzer und Unterstützer vor den Kopf zu stoßen und als dummes Klickvieh zu behandeln.

Natürlich erscheinen vor dem Hintergrund, dass Holtzbrinck sich offenbar eine VZ-Familie aufbauen will und bis Ende 2008 14 Millionen User verzeichnen will, die reichlich verschickten Abmahnungen der letzten Tage in einem anderen Licht, aber nicht in einem besseren. Die Kultur dahinter war mal wieder besch-eiden. Opfer Nummer zwei, abitur-vz, will sich nun wehren, Opfer Nummer drei ist bereits angeschrieben und die Liste ist noch lang. Vorsicht, wenn 66 Millionen Abmahnungen raus sind, wird es eng mit dem Jahresziel! 😉 Im Ernst, liebe Studentenverzeichner: Lebt endlich, was Ihr sagt!

Meinungskatalysator

20. Februar 2008

Manchmal ist es gar nicht erst die Antwort, die hilft. Es ist schon das Formulieren der Frage.

Eben bin ich angerufen worden: „Ich brauche mal Deinen Rat.“ Es ging um Essen, um die Produktion von Essen. Das ist, im Gegensatz zu dessen Konsum, nicht mein Fachgebiet. Trotzdem habe ich mir alles geduldig angehört, „hmhm“ und „ja“ gesagt, und es hat geholfen!

An mir selbst bemerke ich das auch, dass ich manchmal nur jemanden brauche, der mich zwingt, die Bildsprache der Gedanken in Worte zu fassen und aus einem wild querverknüpften Knäuel eine lineare Folge von Sätzen zu formen. Und schon klärt sich die Sache von selbst.

Gern geschehen!

StudiVZ-Abmahnungen: Nun ist abitur-vz dran

17. Februar 2008

Kaum ebbt die Aufregung über StudiVZs Abmahnung gegen ErstiVZ ab, da holen die Deutschen Meister der Blog-Negativ-PR das Thema wieder auf die Tagesordnung. Nun ist abitur-vz dran. Was für ein Egoproblem muss man haben, um eine Seite, die allen Ernstes Comic Sans für Fließtext verwendet, in einem juristischen Schreiben als Konkurrenz zu bezeichnen? Der Betreiber Abidin Kekec, der nun, wie zuvor Peter von ErstiVZ, rund 2.000 Euro latzen soll, findet das natürlich nicht so lustig, wie man in seinem Kommentar bei denQuer lesen kann.

Wahrscheinlich wird auch er klein beigeben, StudiVZ die Domain übertragen und sich eventuell noch über die Höhe der Abmahngebühr einigen können. Bei einem Streitwert im sechsstelligen Bereich überlegt sich ein Abiturient/Student zweimal, ob er es mit einem übermächtigen Gegner aufnimmt. Bis zu Spiegel Online wird er es mit seinem Fall vielleicht auch nicht schaffen.

Könnte es sein, dass hinter der derzeitigen Welle eine Art SEO-Schlacht steht? Je mehr über Abmahnungen VON StudiVZ diskutiert und geschrieben wird, desto mehr rückt die Abmahnung GEGEN StudiVZ in den Hintergrund. So richtig scheint es noch nicht aufzugehen

Ich bin gespannt, ob die Elefanten im Web 2.0-Porzellanladen mal auf jemanden stoßen, der es auf einen Prozess ankommen lässt und finde es schade, dass ich nie im StudiVZ war. Ich würde auch so gerne austreten.

Update: Lustig könnte es, wie Bastian Ebert anmerkt, bei anwaelte-vz.de werden. 😉