Archive for September, 2007

Man müsste mal…

30. September 2007

Es gibt Ideen, deren Zeit ist gekommen. Es liegt eben nicht (nur) an der Einfallslosigkeit der Jungunternehmer und VCs, dass zugleich dutzende Twitter-Klone auf den Markt kommen, Mütter- und Sportlernetzwerke im Rudel auftauchen und aktuell die Meta-Dingsdas auf dem Vormarsch zu sein scheinen. Denn dass der Bedarf und die Möglichkeit vorhanden sind, erkennt selten nur einer.

Manchmal ist einer mutig genug, einer vagen Vorahnung zu folgen, oder schlau genug, sich die Möglichkeit selbst zu schaffen. Wenn er – oder sie – scheitert, haben es alle vorher gewusst. Wenn es gelingt, auch. Diese weitblickenden Projekte haben in der Regel, überstehen sie die Durststrecke, als first mover die größten Chancen.

Zu allermeist gilt aber eines meiner Lieblingszitate: No idea’s original. Dass ich das heute wieder gleich zweifach gemerkt habe, bringt mich zu einer persönlichen Galerie der nicht umgesetzten Ideen, die mir einige Monate darauf begegnet sind. Vielleicht nimmt der eine oder andere die Anregung auf und beteiligt sich an diesem kleinen Ideenfriedhof.

Man müsste mal…

…ein Social Network (zunächst) für Läufer und Mountainbiker eröffnen, das es ermöglicht, per Google Maps, Flickr und Youtube ihre Lieblingsstrecken mit der Community zu teilen, Trainingspläne zu veröffentlichen und sich zum gemeinsamen Training zu verabreden – outforaride.com (per Mail via Tobias, mit dem ich schon über die konkrete Umsetzung gesprochen hatte). Wer ein Copycat plant und weitere Ideen braucht: Bitte melden! Ich hab hier noch einen Ordner rumstehen.

…eine Art openProfile oder Meta-Network als Erweiterung zu openID schaffen, oder eine Art Meta-Socialnetwork, um das ständige Neueintragen von Daten, Karteileichen, 1000 Änderungen bei Umzug o.ä. und die „Freunde-wieder-adden-Orgien“ zu vermeiden – NoseRub & Co.

…einen umfassenden Internetversand für nachhaltigen Bürobedarf eröffnen – memo, allerdings schon vor 25 Jahren.

individuelle Kartenspiele online anbieten, ein Projekt in Sachen Mass Customizing, das ich mit einem Partner fest auf der Agenda hatte – realisieren gerade zwei sympathische Mit-Jungunternehmer aus Hamburg, denen ich den hoffentlich kommenden Erfolg von Herzen gönne. Update folgt bei Freigabe. Jetzt ist es offiziell.

…Vertrauensbeziehungen und Empfehlungen brauchbar abbilden. Meine Ideen in Sachen Online-Reputation sehe ich in Kürze an mir vorüberziehen (mywhitelist ist an meinem Konzept vom Grundsatz schon nahe dran – Kompliment!), während ich mit einem anderen Kopfkind beschäftigt bin. Wenn mich nicht alles täuscht, ist das eine der nächsten Wellen im Meer der Ideen und Startups, die über uns hineinbrechen wird.

Sollte man nun Angst haben vor der möglichen Konkurrenz, weil man die geniale Idee eventuell nicht allein hat? Im Gegenteil: Man sollte sich nicht irre machen lassen von denen, die noch ein Feature und noch einen Marketing-Gag vorschlagen. Reduce to the max and just do it!

Wie gehts mir beim Lesen dieser Liste? Frustration ob der verpassten Chancen? Oh nein, fast schon überraschend. Ich bin glücklich mit der Idee, die ich im Moment fokussiere. Das schöne am Ideen-Ozean ist, dass er wirklich endlos weit ist. Und der Horizont ist nur eine imaginäre Linie.

Nachtrag: Eine auf dem StartupWeekend gepitchte Idee, der Bugtracker für alles, ist mir eben auch nochmal begegnet – in einem englischsprachigen Blogeintrag von März. Björn, der ihn damals vorgeschlagen hat, hat die Idee unterdessen bei CambrianHouse freigesetzt.

StartupWeekend / edelbild – Ruhe zwischen den Stürmen

28. September 2007

Dieser Artikel ist schon eine Weile fertig und sollte eigentlich „wir sind online“ heißen. Einen Beitrag mit diesem Titel wird es aber in Kürze noch geben. Auch wenn im Netz nur eine Willkommensseite von edelbild zu sehen war, sehe ich die Aufgabe des Wochenendes als voll erfüllt an. Was jetzt im Hintergrund noch geschieht, ist Feinschliff. Natürlich wird vielerorts (z.B. bei deutsche startups) in den Kommentaren geunkt, für 200 eingesetzte Manntage sei noch nicht viel herausgekommen. Dass das so nicht stimmt, weiß ich aus erster Hand, wenn man natürlich bei einem solchen Experiment Abstriche in der Effektivität machen muss, wie ich hier auch bereits beschrieben habe.

Für diejenigen, die es noch nicht in den anderen Blogs gelesen haben: „edelbild – einfach schöne Bilder“ ist ein Bildbearbeitungsservice nach dem KISS-Prinzip. Bild hochladen, von Photoshop-Pros aufhübschen lassen, wieder runterladen, fertig. Damit hat das erste europäische StartupWeekend nicht das Rad neu erfunden, aber weltweit erstmals demonstriert, dass eine Gründung dieser Art unter diesen Rahmenbedingungen an einem Wochenende möglich ist. Natürlich soll es nicht beim derzeitigen Umfang bleiben. edelbild soll sich noch entwickeln.

Während das Team IT also in die Tasten haut, um in Bälde eine saubere, „edle“ Seite zu präsentieren, bauen wir unsere interne und externe Kommunikation auf. Wenn man zuvor Seite an Seite gearbeitet hat und nun ein kleinerer, über Deutschland verteilter Teil der Gründer weiterarbeiten soll, braucht diese Umstellung Zeit. Zumindest ist ein Pressekontakt eingerichtet, der erst mal über mich läuft, ein Corporate Blog ist am Start und edelbild twittert auch.

Im Laufe des Wochenendes sind eine Menge tolle Ideen aufgekommen, in welche Richtung der Service steuern könnte, die Essenz daraus ist im Businessplan festgehalten. Ich bin selbst sehr gespannt, was mit der Firma in nächster Zeit passiert. Die Firma trägt einige Lasten mit sich herum, die andere nicht haben, kann aber auch einen Vorteil aus ihrer breiten Basis ziehen. Und auch, wenn ich nicht von Anfang an von der Idee überzeugt war, drücke ich die Daumen und habe meine Shares nicht NUR, um sie über den Schreibtisch zu hängen.

StartupWeekend – Eindrücke danach

23. September 2007

Wie ich heute Nachmittag schon geschrieben habe: Das StartupWeekend muss man erlebt haben, um es zu verstehen. Zu viel ist passiert auf zu vielen Ebenen. Ehe ich aber für heute noch ein paar Stunden abschalte und mich morgen wieder in erster Linie zuckr widme, will ich noch ein paar Eindrücke festhalten. Eines vorweg: Ich bin froh, am StartupWeekend teilgenommen zu haben und danke mit höchstem Respekt den Organisatoren. Ich hoffe auch, dass das nicht das letzte Event seiner Art in Deutschland war. Aber gerade deshalb würde ich auch gern ein wenig konstruktive Kritik loswerden.

Ich fand es von Anbeginn schade, dass Horst-Peters und meine Überlegungen zur Koordination der Teilgruppen offenbar in letzter Minute wieder über Bord geworfen wurden. Besonders Horst-Peter hat sich eine Menge Mühe gemacht und letztlich haben wir viel Zeit damit verschwendet, im laufenden Betrieb durch Trial & Error auf genau die Instrumente zu kommen, die wir schon im Vorfeld empfohlen hatten. Das hat mich zwischenzeitlich frustriert.

Ein übriges hat getan, dass wir uns bereits in Gruppen aufgesplittet haben, bevor wir gemeinsam auf eine grobe Strategie eingeschworen waren. So wusste sprichwörtlich die linke Hand nicht, was die rechte tut. Robert hat dazu schon gestern einen sehr guten Verbesserungsvorschlag gemacht.

Überhaupt war zu beobachten, dass sich mit der Zeit hier und da die gleichen Symptome zeigten wie in „richtigen“ Firmen: Ressortdenken und Vermeidungsstrategien. Selten, aber vorhanden. An mancher Stelle gab es dagegen ungewollten Leerlauf. Ich wage mal die kühne These, dass das gleiche Ergebnis auch mit der Hälfte der Teilnehmer, eventuell noch weniger, zu erzielen gewesen wäre. Aber mit welchen? Eine Herausforderung für zukünftige solche Vorhaben wird sein, die geballte immense Manpower auch sinnvoll einzusetzen. Die Codebase haben zum Beispiel größtenteils unsere beiden Helden der Nachtschicht geliefert.

Für einen groben Schnitzer halte ich, dass es keine wirkliche Abschlusspräsentation gegeben hat. Nach dem tollen Start hätte man den Abschluss vor der Aktienausgabe nutzen können, die versammelten Mitarbeiter und Multiplikatoren einzuschwören, aber die Klammer blieb auf. Nils, der die Leitung des Management-Teams übernommen hatte, fand bei seiner leicht verspäteten Ankunft im Versammlungsraum schon eine Menge in Aufbruchstimmung vor und entschied sich dagegen, seine geplante Präsentation zu halten. Von Seiten der Technik hieß es, das Produkt stehe, aber nur auf einem USB-Stick. „Dann rein damit und herzeigen“, dachte ich wohl nicht allein, aber nichts dergleichen geschah. So bleibt für mich wie wohl für viele Teilnehmer der schale Beigeschmack, etwas auf die Beine gestellt zu haben, aber nicht so genau zu wissen, was. Ein paar Kennzahlen, ein paar Screenshots hätten gereicht, hat doch schon das von Sven gestaltete Logo für einen großen Motivationsboost gesorgt.

Dass ich im Großen und Ganzen doch sehr zufrieden bin mit der Veranstaltung liegt daran, dass meine im Vorfeld formulierte Erwartung, unter Arbeitsbedingungen neue Leute gleich von ihrer authentischen Seite kennen zu lernen, voll erfüllt wurde. Auf dem StartupWeekend geknüpfte Kontakte halte ich für wertvoller als solche, die in „gemütlicher“ Atmosphäre von Messen oder ähnlichem entstehen.

Mit Lutz und Anja haben wir an der Spitze des neuen Unternehmens zwei qualifizierte und motivierte Leute, die in der Lage sind, aus der Idee etwas zu machen. Allerdings nicht allein. Ob die Firma tatsächlich einmal Gewinn einfährt, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Beiden langfristig auf die Unterstützung des Teams zählen können. Ich werde in den nächsten Tagen kommissarisch die Pressearbeit übernehmen, das aber nicht auf Dauer leisten können. Nun wollen wir erst mal die Resonanz abwarten, wenn unser Baby edelbild in den offenen Betrieb geht. Mit viel Spannung harre ich der Dinge, die da noch kommen. Nochmal danke, an alle, für ein unglaublich spannendes Wochenende!

StartupWeekend – Finale

23. September 2007

StartupWeekend kann man nicht beschreiben – das muss man erlebt haben. Permanentes emotionales Rauf und Runter und das Gefühl, dass alles zum Greifen nahe und doch in der Schwebe ist. In den letzten Stunden war hier alles ruhig, nur im Inneren der Leute hat es gebrodelt. Ich habe an unserer Pressemeldung gefeilt und währenddessen noch gebangt, wie das aussehen wird, was ich gerade als Erfolg anpriesen habe und was wir alle gleich zum ersten mal live zu sehen bekommen sollen.

Spannend gerade die Wahl des neuen Director und Secretary: Die Teilnehmer zierten sich mit der Übernahme von Cems und Jasons Posten. Mit Lutz, der die Idee beisteuerte, und Anja, die das Finanzteam repräsentierte, sind nun allerdings zwei außerordentlich gute Köpfe gefunden. Wir schreiten nun zur Ausgabe der Anteilsscheine, um die Gründung durch alle Teilnehmer zu komplettieren.

Jason nennt noch eine interessante Zahl: Hätten wir all das, was Sponsoren und Unterstützer beigesteuert haben, kaufen wollen, hätte es eine halbe Million gekostet. Auch unüberprüft eine beeindruckende Zahl. Genau wie geschätzt 180 freiwillige, unentgeltliche Mannstunden an einem Wochenende für ein Startup.

StartupWeekend – Media Coverage

23. September 2007

Mittlerweile laufen hier vermehrt Leute mit Kameras und Notizblöcken durch die Gänge und Cems Telefon steht nicht still. Just in diesem Moment ist nochmal klargestellt worden: Der Name steht. Uns gehört die Domain. Wir könnten sie also auch nennen. Tun wir aber noch nicht. 😉

Man kann wohl schon sagen: Im Moment sieht es wieder sehr gut aus. Wir werden wohl das weltweit erste StartupWeekend sein, das am Ende tatsächlich ein Produkt vorzeigen kann. Cem sieht den Hauptgrund darin, dass wir eine von Alter, Branche und Kompetenz völlig heterogene Gruppe sind.

Wie ich es mitbekommen habe, könnte es sich lohnen, heute Abend das heute journal zu sehen oder morgen mal Die Welt zu lesen. Auch viele andere Medien werden berichten. Wenn es Neues gibt und erst recht sobald wir fertig sind, erscheint es sicher auch im StartupWeekend Blog.

StartupWeekend – Erster Tag

22. September 2007

Es ist still geworden hier. Obwohl, oder besser gesagt: gerade weil es so viel Spannendes zu erzählen gäbe. Zum Beispiel von der Rede des Dalai Lama. Zum Beispiel von den Fortschritten bei zuckr. Oder vom StartupWeekend in Hamburg.

Im Augenblick sitze ich noch im Stilwerk um die Ecke vom Fischmarkt mit dem letzten Dutzend tapferer Startup-Gründer, größtenteils Entwickler, um unsere Idee auf die Straße z bringen. Seit heute morgen um 9 haben wir uns Ideen um die Ohren gehauen. Was dabei herausgekommen ist, will ich – mehr der Spannung halber – hier noch nicht im Detail verraten. Morgen Abend gibts die Auflösung.

Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich den Tag verfolgt. Großer Optimismus nach den 13 Vorschlägen im Pitch, Euphorie beim großartig kreativen Mindmapping, die erste Ernüchterung, als schon alles auseinanderstob, bevor wir uns auf eine konkrete Richtung geeinigt hatten. Seitdem schwanke ich zwischen behutsamem Optimismus und vorsorglichem Pessimismus.

Die Meinungen, ob am Ende in erster Linie ein ausgefeilter Businessplan oder ein fertiges Produkt nach dem Motto „quick and dirty“ stehen soll, gehen auseinander. Unsere Unterstützer von PWC sind für ersteres, ich eher für letzteres. Das sollte schließlich der Witz dieser Veranstaltung sein.

Einige Lehren kann ich schon jetzt aus dem Experiment ziehen. Etwa dass die Masse zwar vielleicht schlauer ist, aber nicht mutig. Der kleinste gemeinsame Nenner ist meist eher konservativ und unspektakulär. Das muss nicht negativ sein, es steigert die Chance auf ein zukünftig solides Unternehmen. Wirklich bahnbrechend innovativ ist man so aber nicht. Es lassen sich unzählige tolle Ideen generieren, aber schwer tragfähige Entscheidungen herbeiführen.

Mittlerweile wächst die Gruppe an und es wird noch angeregt diskutiert. Die Entwickler beginnen ihre Nachtschicht zur Umsetzung der über den Tag gereiften Idee und wir brainstormen noch über Details. All zu spät wird es für mich wohl nicht mehr werden, aber ich werde wieder mit Optimismus nach Hause gehen: Morgen Abend wird es etwas zu sehen geben.

Vom gestrigen Warmup gibts übrigens schon Fotos.

Eigenschaften eines Unternehmers

17. September 2007

In vier vollgepackten Tagen haben wir beim Gründertraining eine Menge spannende Informationen um die Ohren gehauen bekommen, aber eine Folie hat mich nachhaltig besonders fasziniert. In seinem einleitenden Vortrag „Wer ist eigentlich ein Unternehmer?“ hat Professor Brettel eine Übersicht darüber gezeigt, was Forscher über die Jahrzehnte hinweg für ein Bild von der Persönlichkeit des Unternehmers gezeichnet haben:

Autor

Jahr

Beschreibung

Mill

1848

Risk bearing

Weber

1917

Quelle formaler Autorität

Schumpeter

1934

Innovation, Initiative, Zerstörung

McClelland

1961

Risk taking, need for achievement

Winter

1973

Notwendigkeit, Macht auszuüben

Gasse

1977

Personal value orientation

Timmons

1978

Drive/self confidence, goal oriented, moderate risk taker

Sexton

1980

Energetic, ambitious

Holy/Hellriegel

1982

Preference for technical vs. managerial tasks

MacMillan et al.

1985

Familiarity with the market, leadership ability

Aldrich/Zimmer

1987

Networking with people who control important resources and have relevant skills

Schein

1987

Strong management skills with high levels of responsibility and authority

Chandler/Jansen

1992

Self-assessed ability to recognize opportunity

McGrath et al.

1992

High individualism, poor distance, uncertainty avoidance

Ich finde den Spannungsbogen zwischen normativen und beschreibenden Ansätzen, Eigenschaften und Handlungsweisen interessant und inspirierend. Es lohnt sich, sich über jedes diese Stichworte einmal Gedanken zu machen.

Dem Terror in die Hände spielen

16. September 2007

Beim einen Bäcker gabs keine Sesambrötchen mehr. Beim anderen kein Roggen. Trotzdem war die Welt noch in Ordnung, bis ich den Hausflur wieder betreten habe. „Schäuble warnt vor Atom-Anschlag“ titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung des Nachbarn.

Ich habe der Versuchung widerstanden, meinem Nachbarn seine Frühstückslektüre zu klauen, aber die Schlagzeile und die ersten Sätze haben mir schon wieder gereicht. Paranoia hin, berechtigte Befürchtungen her, aber von Schäuble hätte ich vor ein paar Jahren noch ein anderes Format erwartet. Mit den immer neuen Horrorszenarien, mit denen er seine Visionen vom Überwachungsstaat rechtfertigen will, spielt er den Terroristen in die Hände.

Terror bedeutet Furcht, und nur davon lebt er. Terroristen wählen den Weg des Terrors, weil sie uns zahlenmäßig und militärisch bei weitem nicht gewachsen sind, selbst unserer Zivilbevölkerung nicht. Die Macht, die sie dagegenstellen, heißt Angst, schon seit die Assassini des „Alten vom Berge“ Hassan-i-Sabah ihr Unwesen trieben. Die Angst, dass es ausgerechnet mich treffen könnte und nicht meinen Nachbarn. Die Angst vor einem Gegner, der den eigenen Tod nicht fürchtet und sich damit unseren Mechanismen entzieht. Es ist diese Angst und nicht der wirklich angerichtete Schaden, durch die der Terror wirkt. Ein Terroranschlag, über den nicht gesprochen, berichtet und debattiert wird, ist wertlos.

Nicht nur das: Terror ist Zermürbung. Die Reaktion ist einkalkuliert. Terror treibt Regierungen dazu, weiter in Richtung Repression zu tendieren und sich gegen ihre eigenen Bürger zu wenden. Erst diese Spannung, das Auseinanderdriften von paranoidem Staat und unter Generalverdacht gestellten Bürgern, macht die Gefahr für die innere Sicherheit aus.

Um so mehr muss ich mich über Innenpolitiker und Journalisten wundern, die Hand in Hand nicht nur diesen Sonntag Angst und Schrecken verbreiten. Ich will weiß Gott nicht dafür plädieren, Gefahren totzuschweigen, aber existenzielle Ängste von Wählern und Büergern zustimmungsheischend und auflagensteigernd einzuspannen halte ich für unverantwortlich.

Wurde schon tausendmal gesagt, war aber wieder nötig. Einen schönen, ruhigen, sonnigen Sonntag wünsche ich noch!

Dampfender Kaffee, rauchende Köpfe

15. September 2007

Ein weiser Mann hat einmal gebloggt: „Wer Zeit zum Bloggen hat, macht zu wenig Geschäft.“ Heute verstehe ich das besser denn je. Denn neben dem Tagesgeschäft und dem wirklich großartigen Gründertraining Anfang der Woche ist ja auch noch zuckr in Arbeit.

Wir haben eben zu dritt noch fünf Stunden die Köpfe rauchen lassen und über Designfragen, Kosten, Konzepte & Co. diskutiert. Gut, dass wir doch immer noch auf einen Nenner kommen, so macht Arbeiten Spaß. Unterdessen hat es zuckr unter Germany’s Most Anticipated Web 2.0 Sites und ins MoMB geschafft.

Alex ist leider aus Zeitgründen erst mal eine Reihe zurückgetreten, dafür bin ich, anders als ursprünglich geplant, mit voller Zeit und Energie mit im Boot. In den nächsten Tagen wird es einen zuckr-Blog geben, in dem sich auch Tamer, der Dritte im Bunde, und evtl. einige weitere Beteiligte vorstellen.

Mal sehen, vielleicht verraten wir dann auch ein wenig mehr darüber, was wir da eigentlich vorhaben. Bis dahin sage ich nur: Kaffee 2.0!

Fit for founding

13. September 2007

Nach vier Tagen konzentriertem Gründertraining und einem nervenaufreibenden Planspiel (das mein Kompagnon Juliaan (sic!) und ich für uns entscheiden konnten) bin ich recht erledigt, aber da Andreas schon darauf wartet, will ich mit meinem Feedback auch nicht zu lange zögern.

Dass ich so erledigt bin ist ja schon eine Aussage an sich. Es bedeutet zum einen, dass die Tage ganz schön vollgepackt waren und auch für meine Begriffe anstrengend, zum anderen, dass auch was los war: Input, Input, Input, von einem philosophischen Ansatz beim Kickoff über Verkaufsstrategie, Bilanzen, Steuer über Finanzierung bis zur Businessplanerstellung.

Mit Abstand das spannendste war – entgegen meiner Erwartung – das Planspiel: Auf zwei Märkten konkurrierten je fünf Hersteller von Surfbrettern in fünf Phasen gegeneinander. Interessanterweise entwickelten sich die beiden Märkte höchst unterschiedlich und brachten Sieger mit diametral entgegengesetzten Strategien hervor: Während Juliaan Cazin und ich uns auf eine Hochpreisstrategie mit immensen Entwicklungs- und Marketingkosten festlegten (Der Versuch, durch Dumping unsere Konkurrenten auf Distanz zu bringen, hätte uns beinahe den Sieg gekostet), gewannen auf dem anderen Markt die Massenproduzenten mit der geringen Marge.

Nach dem Ausflug in das produzierende Gewerbe habe ich mich richtig drauf gefreut, zu meinen „gemütlichen und sicheren“ Dienstleistungen zurückzukehren. Aber zumindest kann ich jetzt mit Bilanzen etwas anfangen und bin vorbereitet auf die Dinge, die da noch kommen könnten. Manch ein Teilnehmer des Trainings weiß schon mehr darüber. 😉

Auf diesem Wege noch einmal herzlichen Dank an die Organisatoren und Referenten! Ich hoffe, dass das Gründerkolleg Aachen auf diese Weise weitermacht. Schade, dass so was in Münster wohl auf wenig fruchtbaren Boden fallen würde. Ein paar Videos und Infos vom Gründertraining gibt es bestimmt bald bei easn. Die nächsten Tage widme ich mich – auch hier – wieder zuckr. Da gibts nämlich auch einiges neues…