Archive for the 'Netzkultur' Category

Was ist eigentlich eine Abmahnung?

23. Februar 2008

Aus gegebenem Anlass lese ich hier und in anderen Blogs im Augenblick viele Kommentare über Abmahnungen. Diese basieren aber oft genug auf falschen Annahmen wie der, dass der angebliche Geschädigte die Abmahngebühr einstreiche. Zeit für einen Beitrag mit der Erklärung, wie eine Abmahnung aussieht, woher sie kommt, welche Konsequenzen sie hat und wohin das unverschämt viele Geld fließt.

Zunächst mal ist eine Abmahnung nur eine formale Aufforderung zur Unterlassung. Sie enthält eine Beschreibung des Sachverhalts unter Hinweis auf relevante Gesetze(sverstöße), eine Unterlassungserklärung zur Unterschrift durch den Empfänger und eine Frist, nach der rechtliche Schritte eingeleitet werden. So ein Schreiben muss nicht unbedingt von einem Anwalt kommen, sie muss nicht einmal schriftlich erfolgen (es geht auch telefonisch).

Für gewöhnlich kommen Abmahnungen aber per Post vom Anwalt mit beiliegender Vollmacht des Geschädigten. Die Abmahngebühr, teilweise fälschlich als „Strafe“ bezeichnet, ist im Grunde nichts weiter als die Rechnung des gegnerischen Anwalts. Sie bemisst sich am zugrunde gelegten Streitwert und muss nur bezahlt werden, wenn die Abmahnung berechtigt war. Im Rahmen einer Geschäftsführung ohne Auftrag handelt der Anwalt dann rein rechtlich im Interesse des Abgemahnten, weil er um ein viel teureres Verfahren herumkommt.

Manch ein Abgemahnter wähnt sich im Recht und gibt dennoch klein bei, weil er einem übermächtigen Gegner gegenübersteht, der sich den Gang durch alle Instanzen leisten kann. „Faktisches Immaterialgüterrecht“ nennt man das wohl.

Wer glaubt, vor Gericht zu gewinnen und es darauf ankommen lassen will, braucht erst mal gar nichts zu tun und kann auf die Klage der Gegenseite warten – wenn die denn kommt und es sich nicht ohnehin um zweifelhafte Massenabmahnungen handelt.

Gesetzlich geregelt sind Abmahnungen mittlerweile u.a. im §12 UWG. Mit etwas Glück werden die Gebühren für die erste Abmahnung bald auf 50 Euro begrenzt. Wie schon gesagt braucht es jetzt schon für eine Abmahnung weder einen Anwalt noch ein postalisches Schreiben. Einige vernünftige Anwälte empfehlen zunächst eine formlose Mail. Diese wäre auch bereits eine Abmahnung, nur bei Weitem nicht so teuer. Aber wohl viel zu menschlich.

P.S.: Udo Vetter listet einige interessante Urteile, die daran zweifeln lassen, ob StudiVZ, die eigene Anwälte haben, überhaupt die teuren Dienste einer internationalen Kanzlei hätte in Anspruch nehmen dürfen. Abmahnungen sollten mal ein sinnvolles Instrument sein, um Streitfälle schon ohne Verhandlung günstig beizulegen. Schade, dass sie so als Druckmittel entstellt werden.

UPDATE: Jetzt nehmen sich auch Online-Leitmedien und TV der Abmahn-Welle an: Selbständig im Netz weist auf die WDR-Reportage „Die Abmahner“ heute abend um 22 Uhr hin. Und offenbar arbeitet auch Heise an einem längeren Artikel.

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Papier ist geduldig – Brockhaus nur noch online

12. Februar 2008

Robert erwähnt es nur der Vollständigkeit haber, für mich markiert es einen – subjektiven – geschichtlichen Wendepunkt: Der Brockhaus soll nicht mehr auf Papier erscheinen. Die 21. Ausgabe wird voraussichtlich die letzte sein, meldet Wikipedistik. Nach Millionenverlusten will der Herausgeber-Verlag BIFAB sein Geschäft mit der Enzyklopädie nun online machen.

Was bedeutet das faktisch? Eine Menge Bäume bleiben stehen (ich geh gleich draußen mal einen umarmen und erzähl ihm das), eine Menge Regalbretter bleiben leer (wie reagiert IKEA?) und das gesammelte Brockhaus-Wissen wird kostenlos online verfügbar (Werbung machts möglich).

Was bedeutet das emotional? Ich mag Papier, Rascheln, Blättern. Als Kind habe ich mit meinem Vater Nachmittage vor dem Brockhaus zugebracht. Wir sind von einem Stichwort aufs nächste gekommen, auf die abwegigsten Dinge. Der Brockhaus stand ganz oben im Regal, unerreichbar. Mein Vater kam dran oder hob mich hoch und war sozusagen der Gatekeeper zum Wissen der Welt. Dass ich irgendwann auf einem Stuhl und Zehenspitzen selbst einen Band rausangeln konnte, war für mich ein Meilenstein. Schade, dass ich mit meinen Kindern vielleicht vor einem Bildschirm sitzen muss und sie Wissen nicht mehr be-greifen können. Aber vielleicht ist das falsche Sentimentalität und die Vorteile überwiegen doch.

Robert fragt, wie man an der Dominanz von Wikipedia kratzen möchte. Ein entscheidender Faktor könnte sein, wie gut es BIFAB schafft, sich auf aktuellen Content einzustellen. Die Produktionszyklen müssen radikal umgestellt werden, von Monaten oder gar Jahren auf Tage. Wenn ich im Online-Brockhaus geprüften und ausgewogenen Content zu Themen finde, die mich momentan interessieren, würde ich solche Artikel ggf. sogar der Wikipedia vorziehen. Warum auch nicht? Die Wikipedia ist fantastisch, aber darüber muss man ihre Schwachstellen nicht ignorieren.

Vielleicht noch entscheidender: Schüler und Studenten werden in den nächsten paar Jahren noch mit dem „Wikipedia ist nicht zitierfähig“-Dogma sozialisiert. Wikipedia ist deshalb so beliebt, weil sie kostenlos Wissen verfügbar macht und vielen Lernenden die Recherche vereinfacht. Wenn sie ihre Quelle dann nicht einmal mehr verschämt verschweigen müssen, um so besser!

Ich bin gespannt, wie BIFAB mit der Werbung umgehen wird. In einer Enzyklopädie könnte mich das noch mehr stören als in Suchmaschinen und Social Networks. Irgenwie imponiert mir, bei aller bisheriger Verweigerungshaltung des Verlages, das absolute Bekenntnis zum relativen Neuland Internet. Aber jetzt schau ich auf mein Konto, ob ich mir noch den letzten 30-bändigen Print-Brockhaus leisten kann. Hier steht schon ein fünfbändiger, ein Geschenk meines Vaters. Aber wie gesagt, ich mag Papier.

Update: Robert weist auf eine Pressemeldung hin, nach der uns auch die Druckversion erhalten bleiben soll.

Dritte pl0gbar Münster!

9. August 2007

pl0gbarSchlag auf Schlag fallen hier mittlerweile die Web-Treffen aus dem Hause pl0g. Und hier stehts zuerst! Die 3. münsteraner pl0gbar gibts am 21. August wie immer um 20 Uhr im Fundus am Hauptbahnhof.

Die pl0gbar ist „web 2.0 in kuschelig“ (Eigenbeschreibung). Na ja, gekuschelt haben wir bei Plogbar Münster eins und zwei noch nicht, aber uns zumindest gut, nett und unverkrampft unterhalten. Und so wollen wir das auch beibehalten.

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Crowdsourcing im Feldversuch – Student gesucht!

9. August 2007

Cem sucht für das von ihm initiierte StartupWeekend in Hamburg Mitte September noch dringend einen oder mehrere Studenten, die an der Organisation mitwirken, am Event teilnehmen und vor allem bei dieser Gelegenheit das Phänomen Crowdsourcing / Crowdwisdom am lebenden Beispiel untersuchen wollen.

StartupWeekend

Wer die Weisheit der Vielen also nicht allein im Fußballstadion vermutet und seinen Bachelor nicht in der Fernsehshow sucht, könnte hier ein spannendes Betätigungsfeld finden. Beschreibung und Kontakt im StartupWeekend Blog.

Grundgesetz kommt und geht

3. August 2007

Meine drei kostenlosen Exemplare des Grundgesetzes sind da. Wie angekündigt, kommt eins davon in den Schrank, eins wird an einem sicheren Ort deponiert und eines geht an Herrn Schäuble, unser aller Innenminister.

Grundgesetz für Schäuble

Versehen mit einer kleinen Widmung soll es Hern Schäuble daran erinnern, dass wir unser Grundgesetz so mögen wie es ist – zusammen mit den Exemplaren folgender Blogger:

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Morgen 20h pl0gbar die 2te!

25. Juli 2007

Um 20 Uhr treffen sich im Biercafé Fundus am Bahnhof zum zweiten mal Webzwonuller und Interessierte zum gemütlichen Gedankenaustausch. Es geht viel Bier über den Tisch – und manchmal auch über den mitgebrachten Mac. Auf jeden Fall wirds lustig. Ich bin da – und wenn das jemanden nicht abhält, trotzdem hinzukommen, sei er herzlich willkommen! Adresse und Einladung bei Billy

Fremde Federn für die Jusos

20. Juli 2007

Die Jusos Hessen Nord hatten da eine ganz tolle, frische, neue und ihnen höchst eigene Idee. Dass Karan und Sven Scholz ein paar Tage früher drauf gekommen sind und ungezählte Blogs (darunter auch die PFANDTASSE) seitdem berichten – reiner Zufall. Meine Herren, dass denen das nach drei Tagen immer noch nicht peinlich ist…

Grundgesetz – limited edition

14. Juli 2007

Heiligendamm vor Störenfrieden schützen: 100 Mio Euro

Bundestrojaner„: 200.000 Euro

Das Grundgesetz: unbezahlbar.

Drei Exemplare pro Person kann man beim Bundestag kostenlos bestellen. Sven Scholz hat Karans Vorschlag, sich schnell noch eins zu bestellen, so lange es noch existiert (dazu lesenswert der Spiegel von dieser Woche), ein wenig weitergedacht: Eins gut verbuddeln für unsere Nachkommen, eins in den Bücherschrank und eins – ab hier wirds spaßig – abschicken an:

Bundesministerium des Innern,
z.Hd. Hr. W. Schäuble
Alt-Moabit 101
10559 Berlin

Die Bestellung ist schnell und unkompliziert, ich hab sie schon abgesetzt. Übrigens: Büchersendungen sind billiger – müssen nur unversiegelt verschickt werden. 🙂

pl0gbar Münster: Wir habens allen gezeigt und keiner hats gesehen

29. Juni 2007

Gestern Abend, Biercafé Fundus, Bahnhofstraße, Hinterzimmer mit direktem Blick in den Bahnhof, vorbeifahrende Güter- und Personenzüge. pl0gbar Münster die Erste. Das Ambiente stimmt. Zwei iBooks auf dem Tisch übertragen unser Gespräch in die Welt – nur schaut keiner zu. Was auch nicht weiter stört, denn die Runde könnte größer sein, unterhält sich dafür aber um so angeregter. Den Rest des Beitrags lesen »

Heißer Copycat-Kandidat

27. Juni 2007

mizpee.com findet das nächstgelegene stille Örtchen, natürlich auch mobil und per SMS (via Techcrunch). Nach dem Twitter-Klonfieber das nächste große Ding für den deutschen Markt?