Archive for the 'Politik' Category

„Super Tuesday“ aus der Vogelperspektive

5. Februar 2008

Faszinierend und fesselnd ist der Blick auf die US-„Primaries“, die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur, den ein Mashup aus Google Maps und Twitter namens Twittervision bietet. Eine Landkarte voller Meinungen ganz normaler Menschen. Na gut, so weit man Twitteruser als „ganz normal“ einstuft.

Twittervision verortet die 140-Zeichen-Statements der Twitter-User auf der virtuellen Landkarte von Google Maps. So sieht man dort nun alle paar Sekunden eine neue Nachricht von irgendwo aus den Staaten und häufig auch aus Europa, zumeist Aufforderungen zum Wählen oder Parteinahmen für den einen oder anderen Kandidaten, aber auch Kommentare zum Ablauf und Drumherum.

Es lohnt sich, diese kleine Welt für ein paar Minuten aus dieser neuen Perspektive zu betrachten in dem Wissen, dass man gerade einen winzigen Ausschnitt aus der unfassbar großen Menge individueller Perspektiven zu sehen bekommt, die sich in Kürze auf einen einzigen Menschen einigen sollen, um ihr Land durch die nächsten vier Jahre zu führen.

Das Internet ist etwas wunderbares. Demokratie ist ein kleines Wunder.

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Papiertiger der Informationsgesellschaft

15. Dezember 2007

Na Glückwunsch. Da liegen Dokumente in der Universitäts- und Landesbibliothek elektronisch vor, und um sie auszuleihen respektive mal querzulesen, muss ich sie nun ausgedruckt abholen:

„…die von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Änderungen im Urheberrechtsgesetz führen ab dem 01.01.2008 zu einer wesentlichen Einschränkung der Lieferbedingungen im bibliothekarischen Fernleihverkehr. Da § 53a UrhG die Voraussetzungen für die Lieferungen elektronischer Dokumente nur unbestimmt regelt, müssen die am Fernleihverkehr teilnehmenden Bibliotheken vorerst auf die elektronische Auslieferung (z.B. als E-Mail-Anhang oder als Download) verzichten. Aus diesem Grund liegen von bestellten Aufsätzen bis auf Weiteres nur noch Kopien als Papierausdruck in der ULB vor und müssen von Ihnen dort abgeholt werden. Sie werden jedoch auch weiterhin über das Eintreffen der Kopien benachrichtigt.“ (aus einer Mail der ULB Münster)

Und ich dachte, solche Rückschritte gibt es nur in der Musik- und Softwareindustrie. Es geht um das hier:

„Zulässig ist auf Einzelbestellung die Vervielfältigung und Übermittlung einzelner in Zeitungen und Zeitschriften erschienener Beiträge sowie kleiner Teile eines erschienenen Werkes im Weg des Post- oder Faxversands durch öffentliche Bibliotheken, sofern die Nutzung durch den Besteller nach § 53 zulässig ist. Die Vervielfältigung und Übermittlung in sonstiger elektronischer Form ist ausschließlich als grafische Datei und nur dann zulässig, wenn der Zugang zu den Beiträgen oder kleinen Teilen eines Werkes den Mitgliedern der Öffentlichkeit nicht von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl mittels einer vertraglichen Vereinbarung ermöglicht wird.“ (§53a aus dem „Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft„)

Na dann herzlich willkommen in der Informationsgesellschaft. Aber nicht von Orten und zu Zeiten unserer Wahl, bitteschön!

Mehr Infos gibts beim Urheberrechtsbündnis.

Wer hat an der Uhr gedreht?

9. Dezember 2007

Venezuela hat eine eigene Zeitzone bekommen und ist den USA ab sofort um eine halbe (!) Stunde voraus. Offizielle Begründung des Wissenschaftsministers ist, dass damit die Uhrzeit wieder in Einklang mit dem natürlichen Tagesverlauf gebracht werde.

Journalisten unterstellen Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez schlicht Eitelkeit. Sie unterschätzen ihn: Chavez lässt in Zukunft regelmäßig die Uhren zurückstellen, um seine Amtszeit zu verlängern, wenn er schon nicht ewig Presidente bleiben darf.

Die Uhren werden dann gleich jede Nacht eine halbe Stunde zurückgestellt, die Venezolaner können länger schlafen und sind glücklicher. Haben wir nicht alle mal davon geträumt, dem Tag ein wenig Zeit hinzuzufügen? Chávez zieht’s durch! Wird jedem Tag eine halbe Stunde hinzugefügt, reist Venezuela also alle anderthalb Monate einmal durch die Zeitzonen. Das hilft auch dem internationalen Sozialismus. Innerhalb derselben Zeitzone kann man auch telefonisch mal ein Schwätzchen halten.

Ich hätte gern eine Kalenderreform á la Chavez: Mit ein paar zusätzlichen Urlaubstagen wären wir sicher auch „glücklicher und leistungsfähiger“. Auf Kosten der Wirtschaft geht das nicht, schließlich kriegen wir die Zeit ja einfach dazu. 😉

Dem Terror in die Hände spielen

16. September 2007

Beim einen Bäcker gabs keine Sesambrötchen mehr. Beim anderen kein Roggen. Trotzdem war die Welt noch in Ordnung, bis ich den Hausflur wieder betreten habe. „Schäuble warnt vor Atom-Anschlag“ titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung des Nachbarn.

Ich habe der Versuchung widerstanden, meinem Nachbarn seine Frühstückslektüre zu klauen, aber die Schlagzeile und die ersten Sätze haben mir schon wieder gereicht. Paranoia hin, berechtigte Befürchtungen her, aber von Schäuble hätte ich vor ein paar Jahren noch ein anderes Format erwartet. Mit den immer neuen Horrorszenarien, mit denen er seine Visionen vom Überwachungsstaat rechtfertigen will, spielt er den Terroristen in die Hände.

Terror bedeutet Furcht, und nur davon lebt er. Terroristen wählen den Weg des Terrors, weil sie uns zahlenmäßig und militärisch bei weitem nicht gewachsen sind, selbst unserer Zivilbevölkerung nicht. Die Macht, die sie dagegenstellen, heißt Angst, schon seit die Assassini des „Alten vom Berge“ Hassan-i-Sabah ihr Unwesen trieben. Die Angst, dass es ausgerechnet mich treffen könnte und nicht meinen Nachbarn. Die Angst vor einem Gegner, der den eigenen Tod nicht fürchtet und sich damit unseren Mechanismen entzieht. Es ist diese Angst und nicht der wirklich angerichtete Schaden, durch die der Terror wirkt. Ein Terroranschlag, über den nicht gesprochen, berichtet und debattiert wird, ist wertlos.

Nicht nur das: Terror ist Zermürbung. Die Reaktion ist einkalkuliert. Terror treibt Regierungen dazu, weiter in Richtung Repression zu tendieren und sich gegen ihre eigenen Bürger zu wenden. Erst diese Spannung, das Auseinanderdriften von paranoidem Staat und unter Generalverdacht gestellten Bürgern, macht die Gefahr für die innere Sicherheit aus.

Um so mehr muss ich mich über Innenpolitiker und Journalisten wundern, die Hand in Hand nicht nur diesen Sonntag Angst und Schrecken verbreiten. Ich will weiß Gott nicht dafür plädieren, Gefahren totzuschweigen, aber existenzielle Ängste von Wählern und Büergern zustimmungsheischend und auflagensteigernd einzuspannen halte ich für unverantwortlich.

Wurde schon tausendmal gesagt, war aber wieder nötig. Einen schönen, ruhigen, sonnigen Sonntag wünsche ich noch!

Grundgesetz kommt und geht

3. August 2007

Meine drei kostenlosen Exemplare des Grundgesetzes sind da. Wie angekündigt, kommt eins davon in den Schrank, eins wird an einem sicheren Ort deponiert und eines geht an Herrn Schäuble, unser aller Innenminister.

Grundgesetz für Schäuble

Versehen mit einer kleinen Widmung soll es Hern Schäuble daran erinnern, dass wir unser Grundgesetz so mögen wie es ist – zusammen mit den Exemplaren folgender Blogger:

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Fremde Federn für die Jusos

20. Juli 2007

Die Jusos Hessen Nord hatten da eine ganz tolle, frische, neue und ihnen höchst eigene Idee. Dass Karan und Sven Scholz ein paar Tage früher drauf gekommen sind und ungezählte Blogs (darunter auch die PFANDTASSE) seitdem berichten – reiner Zufall. Meine Herren, dass denen das nach drei Tagen immer noch nicht peinlich ist…

Grundgesetz – limited edition

14. Juli 2007

Heiligendamm vor Störenfrieden schützen: 100 Mio Euro

Bundestrojaner„: 200.000 Euro

Das Grundgesetz: unbezahlbar.

Drei Exemplare pro Person kann man beim Bundestag kostenlos bestellen. Sven Scholz hat Karans Vorschlag, sich schnell noch eins zu bestellen, so lange es noch existiert (dazu lesenswert der Spiegel von dieser Woche), ein wenig weitergedacht: Eins gut verbuddeln für unsere Nachkommen, eins in den Bücherschrank und eins – ab hier wirds spaßig – abschicken an:

Bundesministerium des Innern,
z.Hd. Hr. W. Schäuble
Alt-Moabit 101
10559 Berlin

Die Bestellung ist schnell und unkompliziert, ich hab sie schon abgesetzt. Übrigens: Büchersendungen sind billiger – müssen nur unversiegelt verschickt werden. 🙂