Archive for the 'gut verwendete Zeit' Category

Geld oder Leben

13. Februar 2008

Zeit ist Geld, heißt es. Zumindest sind Zeit und Geld elementare Bestandteile im Tauschgeschäft der arbeitsteiligen Gesellschaft. Wir verkaufen unsere Zeit für Geld und zahlen dafür, Zeit zu sparen oder die, die uns bleibt, angenehm zu vebringen.

Bei diesem Tauschgeschäft versuchen wir verständlicherweise, einen für uns möglichst günstigen Wecheslkurs herauszuschlagen. Beim Verkauf unserer Arbeitszeit gehen wir aber meist von einem weitgehend fixen Zeitkontingent aus und versuchen, die Menge verdienten Geldes zu erhöhen. Soll heißen: Standard ist eine knappe 40-Stunden-Woche. Manche sind weit drüber, viele weit drunter, klar. Aber das ist Norm und Orientierungswert. Es gibt volle und halbe Stellen usw. und alles orientiert sich an diesem Standard: 5 Tage à 8 Stunden.

Was wäre nun, wenn wir von der anderen Seite an das Geschäft herangehen und definieren, welche monatliche Summe uns zum Leben reicht und versuchen, mit möglichst geringem Einsatz von Lebenszeit (und/oder dem geringsten „Arbeitsleid“) da heranzukommen? Ich definiere eine Summe Geldes, mit der ich ein sorgenfreies, angenehmes Leben führen kann und erkläre die zu meiner Norm. Und wenn ich an diese Summe in – sagen wir – 10 Wochenstunden herankomme, habe ich ca. 120 Stunden  im Monat gewonnen zum Lesen, Spazierengehen, Gespräche führen usw.

Es geht hier keineswegs um verkappten Sozialismus. Der eine wird seine Zeit immer teuerer verkaufen können als der andere, und das ist gut so. Es geht um die Perspektive: Geht es uns um mehr Geld oder um mehr (schöne) Zeit? Ich bin mir selbst noch nicht sicher, ob man den Ehrgeiz, mit anderen in allgemein anerkannten Maßstäben wie dem monatlichen Einkommen (und nicht dem Stundensatz) gleichzuziehen, überwinden kann. Ob man das überhaupt will. Aber im Moment gefällt mir der Gedanke.

Frohe Weihnachten!

25. Dezember 2007

Genießt die Ruhe, schaltet (den Rechner) mal ab und setzt Euch mit einem Kaffee und einem Buch aufs Sofa, verbringt Zeit mit geliebten Menschen, macht Spaziergänge durch die Kälte, aber zieht Euch warm an:

Warm angezogen

Kleiner Tipp noch: Grundsätzlich an einem Tag nur eine Akku-Ladung des Laptops zu verwenden ist ein wirkungsvoller kleiner Eingriff, der ungeahntes Entspannungs-Potential freiwerden lässt.

All meinen Lesern wünsche ich ein harmonisches und entspannendes Fest, um Kraft zu sammeln für ein erfolgreiches 2008. Ich hoffe, wir lesen uns dann wieder.

Wer hat an der Uhr gedreht?

9. Dezember 2007

Venezuela hat eine eigene Zeitzone bekommen und ist den USA ab sofort um eine halbe (!) Stunde voraus. Offizielle Begründung des Wissenschaftsministers ist, dass damit die Uhrzeit wieder in Einklang mit dem natürlichen Tagesverlauf gebracht werde.

Journalisten unterstellen Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez schlicht Eitelkeit. Sie unterschätzen ihn: Chavez lässt in Zukunft regelmäßig die Uhren zurückstellen, um seine Amtszeit zu verlängern, wenn er schon nicht ewig Presidente bleiben darf.

Die Uhren werden dann gleich jede Nacht eine halbe Stunde zurückgestellt, die Venezolaner können länger schlafen und sind glücklicher. Haben wir nicht alle mal davon geträumt, dem Tag ein wenig Zeit hinzuzufügen? Chávez zieht’s durch! Wird jedem Tag eine halbe Stunde hinzugefügt, reist Venezuela also alle anderthalb Monate einmal durch die Zeitzonen. Das hilft auch dem internationalen Sozialismus. Innerhalb derselben Zeitzone kann man auch telefonisch mal ein Schwätzchen halten.

Ich hätte gern eine Kalenderreform á la Chavez: Mit ein paar zusätzlichen Urlaubstagen wären wir sicher auch „glücklicher und leistungsfähiger“. Auf Kosten der Wirtschaft geht das nicht, schließlich kriegen wir die Zeit ja einfach dazu. 😉

Zwei Tage Paris in Stichworten

24. Oktober 2007

Hätte ich das alles an Twitter gesendet, wäre ich nun arm. Aber diese Notizen hätten sich gut für diesen Weg der Verbreitung geeignet. Sind minimal redigiert zur allgemeinen Erheiterung, dieser Tage werden ein paar Fotos folgen.

  • Thalys 1. Klasse ist angenehmes Reisen. Würde ich jederzeit wieder machen und dem Flieger vorziehen. Nur die deutsche Website ist ein Alptraum.
  • Croissants nach paris mitbringen ist ein wenig…
  • Reizüberflutung. Morbus Stendhal (der ist übrigens auf dem Montmatre beerdigt)
  • ein einzelner hässlicher neubau zwischen all den schönen häusern und da singt ein kind vom balkon
  • die gleiche luft wie in berlin vor einem jahr, nur ein wenig würziger
  • Mein Englisch ist eingerostet – und mein Französisch? Auf Martinique im Urlaub
  • Jemand quatscht mich blöd von der Seite an, nur um in eine Schimpftirade darüber auszubrechen, dass ich kaum Französisch spreche. Lingualimperialisten.
  • Auf der straße weiter hinten rast ein geldtransporter nach rechts, vorn auf der champs elysees die polizei mit blaulicht nach links, wie in einer gaunerkomödie
  • Oh, you’re not french – so isses, tut mir auch furchtbar leid. aber was lässt mich heute so einheimisch aussehen?
  • Gerade wollte mich ein Freund vom Flughafen abholen – in Berlin. Falsche Woche.
  • das deux carottes ist urig, aber an petit dejeuner werde ich mich nie gewöhnen
  • der parisien hupt für sein leben gern. gründe bekommt er genug.
  • warum hab ich eigentlich immer noch keinen hunger? nicht mal auf dem markt mit all den gerüchen. das wunder des petit dejeuners?
  • Wie entspannend – einen vormittag nicht an zuckr gedacht, nicht an edelbild – ups, schon passiert, schnell wieder ausblenden
  • die sonne scheint, aber es ist schon ziemlich froid
  • ein bisschen außerhalb ist paris eine ziemlich normale großstadt. da fühle ich mich irgendwie wohler
  • in frankreich italienisch essen gehen… aber gut! es gibt steak.
  • wenn wir die hiesige wasserqualität hätten, würde ich auch den lieben langen tag wein trinken
  • Stehe ich auf einem sockel? Hab ich ein bronzeschild um den bauch? also warum wollen sich asiatische touristinnen unbedingt mit mir fotografieren?
  • sitze auf der champs elysees in der sonne und lese niklas luhmann
  • sind pali-tücher generell wieder in oder ist das nur hier so?
  • mein französisch kommt wieder. es kommt so etwas wie eine unterhaltung zu stande.
  • Im Mercedes CL 63 AMG gesessen. Leider nicht gefahren. TV und Radio ausprobiert. HipHop-Sender ausgewählt. Komm mir vor wie in einem 50ct-Video. Sogar für hiesige Verhältnisse ein protziges Auto.

Und sonst? Mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen. Und neben einem arabischstämmigen Schauspieler-Beau auch wieder einen Jungunternehmer kennengelernt. Mit einer interessanten Werbeform im Portfolio. Werde mich vielleicht mal darum kümmern, wenn ich Zeit hab. In meinem recht heruntergekommenen Hotel (für nächstes mal hab ich eine bessere Empfehlung bekommen) werd ich jetzt erst mal ein paar Stunden Schlaf zu mir nehmen. Wenn man mich denn lässt.

Glück

10. Oktober 2007

Es gibt diese perfekten Tage. Ohne Ankündigung oder besonderen Grund. Ohne Planung. Der perfekte Tag. An dem die Sonne noch etwas wärmer scheint, an dem das Radio nur gute Musik spielt, an dem man nur netten Menschen begegnet und das Leben es gut mit einem meint. Sonntag war so ein Tag. Ein Tag, an dem ich VW Polo fahren kann, mir vorstelle, es wär ein Alfa Spider, und in einem echten Cabrio kein schöneres Gefühl haben könnte.

StartupWeekend – Eindrücke danach

23. September 2007

Wie ich heute Nachmittag schon geschrieben habe: Das StartupWeekend muss man erlebt haben, um es zu verstehen. Zu viel ist passiert auf zu vielen Ebenen. Ehe ich aber für heute noch ein paar Stunden abschalte und mich morgen wieder in erster Linie zuckr widme, will ich noch ein paar Eindrücke festhalten. Eines vorweg: Ich bin froh, am StartupWeekend teilgenommen zu haben und danke mit höchstem Respekt den Organisatoren. Ich hoffe auch, dass das nicht das letzte Event seiner Art in Deutschland war. Aber gerade deshalb würde ich auch gern ein wenig konstruktive Kritik loswerden.

Ich fand es von Anbeginn schade, dass Horst-Peters und meine Überlegungen zur Koordination der Teilgruppen offenbar in letzter Minute wieder über Bord geworfen wurden. Besonders Horst-Peter hat sich eine Menge Mühe gemacht und letztlich haben wir viel Zeit damit verschwendet, im laufenden Betrieb durch Trial & Error auf genau die Instrumente zu kommen, die wir schon im Vorfeld empfohlen hatten. Das hat mich zwischenzeitlich frustriert.

Ein übriges hat getan, dass wir uns bereits in Gruppen aufgesplittet haben, bevor wir gemeinsam auf eine grobe Strategie eingeschworen waren. So wusste sprichwörtlich die linke Hand nicht, was die rechte tut. Robert hat dazu schon gestern einen sehr guten Verbesserungsvorschlag gemacht.

Überhaupt war zu beobachten, dass sich mit der Zeit hier und da die gleichen Symptome zeigten wie in „richtigen“ Firmen: Ressortdenken und Vermeidungsstrategien. Selten, aber vorhanden. An mancher Stelle gab es dagegen ungewollten Leerlauf. Ich wage mal die kühne These, dass das gleiche Ergebnis auch mit der Hälfte der Teilnehmer, eventuell noch weniger, zu erzielen gewesen wäre. Aber mit welchen? Eine Herausforderung für zukünftige solche Vorhaben wird sein, die geballte immense Manpower auch sinnvoll einzusetzen. Die Codebase haben zum Beispiel größtenteils unsere beiden Helden der Nachtschicht geliefert.

Für einen groben Schnitzer halte ich, dass es keine wirkliche Abschlusspräsentation gegeben hat. Nach dem tollen Start hätte man den Abschluss vor der Aktienausgabe nutzen können, die versammelten Mitarbeiter und Multiplikatoren einzuschwören, aber die Klammer blieb auf. Nils, der die Leitung des Management-Teams übernommen hatte, fand bei seiner leicht verspäteten Ankunft im Versammlungsraum schon eine Menge in Aufbruchstimmung vor und entschied sich dagegen, seine geplante Präsentation zu halten. Von Seiten der Technik hieß es, das Produkt stehe, aber nur auf einem USB-Stick. „Dann rein damit und herzeigen“, dachte ich wohl nicht allein, aber nichts dergleichen geschah. So bleibt für mich wie wohl für viele Teilnehmer der schale Beigeschmack, etwas auf die Beine gestellt zu haben, aber nicht so genau zu wissen, was. Ein paar Kennzahlen, ein paar Screenshots hätten gereicht, hat doch schon das von Sven gestaltete Logo für einen großen Motivationsboost gesorgt.

Dass ich im Großen und Ganzen doch sehr zufrieden bin mit der Veranstaltung liegt daran, dass meine im Vorfeld formulierte Erwartung, unter Arbeitsbedingungen neue Leute gleich von ihrer authentischen Seite kennen zu lernen, voll erfüllt wurde. Auf dem StartupWeekend geknüpfte Kontakte halte ich für wertvoller als solche, die in „gemütlicher“ Atmosphäre von Messen oder ähnlichem entstehen.

Mit Lutz und Anja haben wir an der Spitze des neuen Unternehmens zwei qualifizierte und motivierte Leute, die in der Lage sind, aus der Idee etwas zu machen. Allerdings nicht allein. Ob die Firma tatsächlich einmal Gewinn einfährt, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Beiden langfristig auf die Unterstützung des Teams zählen können. Ich werde in den nächsten Tagen kommissarisch die Pressearbeit übernehmen, das aber nicht auf Dauer leisten können. Nun wollen wir erst mal die Resonanz abwarten, wenn unser Baby edelbild in den offenen Betrieb geht. Mit viel Spannung harre ich der Dinge, die da noch kommen. Nochmal danke, an alle, für ein unglaublich spannendes Wochenende!

StartupWeekend – Erster Tag

22. September 2007

Es ist still geworden hier. Obwohl, oder besser gesagt: gerade weil es so viel Spannendes zu erzählen gäbe. Zum Beispiel von der Rede des Dalai Lama. Zum Beispiel von den Fortschritten bei zuckr. Oder vom StartupWeekend in Hamburg.

Im Augenblick sitze ich noch im Stilwerk um die Ecke vom Fischmarkt mit dem letzten Dutzend tapferer Startup-Gründer, größtenteils Entwickler, um unsere Idee auf die Straße z bringen. Seit heute morgen um 9 haben wir uns Ideen um die Ohren gehauen. Was dabei herausgekommen ist, will ich – mehr der Spannung halber – hier noch nicht im Detail verraten. Morgen Abend gibts die Auflösung.

Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich den Tag verfolgt. Großer Optimismus nach den 13 Vorschlägen im Pitch, Euphorie beim großartig kreativen Mindmapping, die erste Ernüchterung, als schon alles auseinanderstob, bevor wir uns auf eine konkrete Richtung geeinigt hatten. Seitdem schwanke ich zwischen behutsamem Optimismus und vorsorglichem Pessimismus.

Die Meinungen, ob am Ende in erster Linie ein ausgefeilter Businessplan oder ein fertiges Produkt nach dem Motto „quick and dirty“ stehen soll, gehen auseinander. Unsere Unterstützer von PWC sind für ersteres, ich eher für letzteres. Das sollte schließlich der Witz dieser Veranstaltung sein.

Einige Lehren kann ich schon jetzt aus dem Experiment ziehen. Etwa dass die Masse zwar vielleicht schlauer ist, aber nicht mutig. Der kleinste gemeinsame Nenner ist meist eher konservativ und unspektakulär. Das muss nicht negativ sein, es steigert die Chance auf ein zukünftig solides Unternehmen. Wirklich bahnbrechend innovativ ist man so aber nicht. Es lassen sich unzählige tolle Ideen generieren, aber schwer tragfähige Entscheidungen herbeiführen.

Mittlerweile wächst die Gruppe an und es wird noch angeregt diskutiert. Die Entwickler beginnen ihre Nachtschicht zur Umsetzung der über den Tag gereiften Idee und wir brainstormen noch über Details. All zu spät wird es für mich wohl nicht mehr werden, aber ich werde wieder mit Optimismus nach Hause gehen: Morgen Abend wird es etwas zu sehen geben.

Vom gestrigen Warmup gibts übrigens schon Fotos.

Dampfender Kaffee, rauchende Köpfe

15. September 2007

Ein weiser Mann hat einmal gebloggt: „Wer Zeit zum Bloggen hat, macht zu wenig Geschäft.“ Heute verstehe ich das besser denn je. Denn neben dem Tagesgeschäft und dem wirklich großartigen Gründertraining Anfang der Woche ist ja auch noch zuckr in Arbeit.

Wir haben eben zu dritt noch fünf Stunden die Köpfe rauchen lassen und über Designfragen, Kosten, Konzepte & Co. diskutiert. Gut, dass wir doch immer noch auf einen Nenner kommen, so macht Arbeiten Spaß. Unterdessen hat es zuckr unter Germany’s Most Anticipated Web 2.0 Sites und ins MoMB geschafft.

Alex ist leider aus Zeitgründen erst mal eine Reihe zurückgetreten, dafür bin ich, anders als ursprünglich geplant, mit voller Zeit und Energie mit im Boot. In den nächsten Tagen wird es einen zuckr-Blog geben, in dem sich auch Tamer, der Dritte im Bunde, und evtl. einige weitere Beteiligte vorstellen.

Mal sehen, vielleicht verraten wir dann auch ein wenig mehr darüber, was wir da eigentlich vorhaben. Bis dahin sage ich nur: Kaffee 2.0!