Archive for the 'Agile Businessentwicklung' Category

StartupWeekend / edelbild – Ruhe zwischen den Stürmen

28. September 2007

Dieser Artikel ist schon eine Weile fertig und sollte eigentlich „wir sind online“ heißen. Einen Beitrag mit diesem Titel wird es aber in Kürze noch geben. Auch wenn im Netz nur eine Willkommensseite von edelbild zu sehen war, sehe ich die Aufgabe des Wochenendes als voll erfüllt an. Was jetzt im Hintergrund noch geschieht, ist Feinschliff. Natürlich wird vielerorts (z.B. bei deutsche startups) in den Kommentaren geunkt, für 200 eingesetzte Manntage sei noch nicht viel herausgekommen. Dass das so nicht stimmt, weiß ich aus erster Hand, wenn man natürlich bei einem solchen Experiment Abstriche in der Effektivität machen muss, wie ich hier auch bereits beschrieben habe.

Für diejenigen, die es noch nicht in den anderen Blogs gelesen haben: „edelbild – einfach schöne Bilder“ ist ein Bildbearbeitungsservice nach dem KISS-Prinzip. Bild hochladen, von Photoshop-Pros aufhübschen lassen, wieder runterladen, fertig. Damit hat das erste europäische StartupWeekend nicht das Rad neu erfunden, aber weltweit erstmals demonstriert, dass eine Gründung dieser Art unter diesen Rahmenbedingungen an einem Wochenende möglich ist. Natürlich soll es nicht beim derzeitigen Umfang bleiben. edelbild soll sich noch entwickeln.

Während das Team IT also in die Tasten haut, um in Bälde eine saubere, „edle“ Seite zu präsentieren, bauen wir unsere interne und externe Kommunikation auf. Wenn man zuvor Seite an Seite gearbeitet hat und nun ein kleinerer, über Deutschland verteilter Teil der Gründer weiterarbeiten soll, braucht diese Umstellung Zeit. Zumindest ist ein Pressekontakt eingerichtet, der erst mal über mich läuft, ein Corporate Blog ist am Start und edelbild twittert auch.

Im Laufe des Wochenendes sind eine Menge tolle Ideen aufgekommen, in welche Richtung der Service steuern könnte, die Essenz daraus ist im Businessplan festgehalten. Ich bin selbst sehr gespannt, was mit der Firma in nächster Zeit passiert. Die Firma trägt einige Lasten mit sich herum, die andere nicht haben, kann aber auch einen Vorteil aus ihrer breiten Basis ziehen. Und auch, wenn ich nicht von Anfang an von der Idee überzeugt war, drücke ich die Daumen und habe meine Shares nicht NUR, um sie über den Schreibtisch zu hängen.

StartupWeekend – Eindrücke danach

23. September 2007

Wie ich heute Nachmittag schon geschrieben habe: Das StartupWeekend muss man erlebt haben, um es zu verstehen. Zu viel ist passiert auf zu vielen Ebenen. Ehe ich aber für heute noch ein paar Stunden abschalte und mich morgen wieder in erster Linie zuckr widme, will ich noch ein paar Eindrücke festhalten. Eines vorweg: Ich bin froh, am StartupWeekend teilgenommen zu haben und danke mit höchstem Respekt den Organisatoren. Ich hoffe auch, dass das nicht das letzte Event seiner Art in Deutschland war. Aber gerade deshalb würde ich auch gern ein wenig konstruktive Kritik loswerden.

Ich fand es von Anbeginn schade, dass Horst-Peters und meine Überlegungen zur Koordination der Teilgruppen offenbar in letzter Minute wieder über Bord geworfen wurden. Besonders Horst-Peter hat sich eine Menge Mühe gemacht und letztlich haben wir viel Zeit damit verschwendet, im laufenden Betrieb durch Trial & Error auf genau die Instrumente zu kommen, die wir schon im Vorfeld empfohlen hatten. Das hat mich zwischenzeitlich frustriert.

Ein übriges hat getan, dass wir uns bereits in Gruppen aufgesplittet haben, bevor wir gemeinsam auf eine grobe Strategie eingeschworen waren. So wusste sprichwörtlich die linke Hand nicht, was die rechte tut. Robert hat dazu schon gestern einen sehr guten Verbesserungsvorschlag gemacht.

Überhaupt war zu beobachten, dass sich mit der Zeit hier und da die gleichen Symptome zeigten wie in „richtigen“ Firmen: Ressortdenken und Vermeidungsstrategien. Selten, aber vorhanden. An mancher Stelle gab es dagegen ungewollten Leerlauf. Ich wage mal die kühne These, dass das gleiche Ergebnis auch mit der Hälfte der Teilnehmer, eventuell noch weniger, zu erzielen gewesen wäre. Aber mit welchen? Eine Herausforderung für zukünftige solche Vorhaben wird sein, die geballte immense Manpower auch sinnvoll einzusetzen. Die Codebase haben zum Beispiel größtenteils unsere beiden Helden der Nachtschicht geliefert.

Für einen groben Schnitzer halte ich, dass es keine wirkliche Abschlusspräsentation gegeben hat. Nach dem tollen Start hätte man den Abschluss vor der Aktienausgabe nutzen können, die versammelten Mitarbeiter und Multiplikatoren einzuschwören, aber die Klammer blieb auf. Nils, der die Leitung des Management-Teams übernommen hatte, fand bei seiner leicht verspäteten Ankunft im Versammlungsraum schon eine Menge in Aufbruchstimmung vor und entschied sich dagegen, seine geplante Präsentation zu halten. Von Seiten der Technik hieß es, das Produkt stehe, aber nur auf einem USB-Stick. „Dann rein damit und herzeigen“, dachte ich wohl nicht allein, aber nichts dergleichen geschah. So bleibt für mich wie wohl für viele Teilnehmer der schale Beigeschmack, etwas auf die Beine gestellt zu haben, aber nicht so genau zu wissen, was. Ein paar Kennzahlen, ein paar Screenshots hätten gereicht, hat doch schon das von Sven gestaltete Logo für einen großen Motivationsboost gesorgt.

Dass ich im Großen und Ganzen doch sehr zufrieden bin mit der Veranstaltung liegt daran, dass meine im Vorfeld formulierte Erwartung, unter Arbeitsbedingungen neue Leute gleich von ihrer authentischen Seite kennen zu lernen, voll erfüllt wurde. Auf dem StartupWeekend geknüpfte Kontakte halte ich für wertvoller als solche, die in „gemütlicher“ Atmosphäre von Messen oder ähnlichem entstehen.

Mit Lutz und Anja haben wir an der Spitze des neuen Unternehmens zwei qualifizierte und motivierte Leute, die in der Lage sind, aus der Idee etwas zu machen. Allerdings nicht allein. Ob die Firma tatsächlich einmal Gewinn einfährt, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Beiden langfristig auf die Unterstützung des Teams zählen können. Ich werde in den nächsten Tagen kommissarisch die Pressearbeit übernehmen, das aber nicht auf Dauer leisten können. Nun wollen wir erst mal die Resonanz abwarten, wenn unser Baby edelbild in den offenen Betrieb geht. Mit viel Spannung harre ich der Dinge, die da noch kommen. Nochmal danke, an alle, für ein unglaublich spannendes Wochenende!

StartupWeekend – Media Coverage

23. September 2007

Mittlerweile laufen hier vermehrt Leute mit Kameras und Notizblöcken durch die Gänge und Cems Telefon steht nicht still. Just in diesem Moment ist nochmal klargestellt worden: Der Name steht. Uns gehört die Domain. Wir könnten sie also auch nennen. Tun wir aber noch nicht. 😉

Man kann wohl schon sagen: Im Moment sieht es wieder sehr gut aus. Wir werden wohl das weltweit erste StartupWeekend sein, das am Ende tatsächlich ein Produkt vorzeigen kann. Cem sieht den Hauptgrund darin, dass wir eine von Alter, Branche und Kompetenz völlig heterogene Gruppe sind.

Wie ich es mitbekommen habe, könnte es sich lohnen, heute Abend das heute journal zu sehen oder morgen mal Die Welt zu lesen. Auch viele andere Medien werden berichten. Wenn es Neues gibt und erst recht sobald wir fertig sind, erscheint es sicher auch im StartupWeekend Blog.

StartupWeekend – Erster Tag

22. September 2007

Es ist still geworden hier. Obwohl, oder besser gesagt: gerade weil es so viel Spannendes zu erzählen gäbe. Zum Beispiel von der Rede des Dalai Lama. Zum Beispiel von den Fortschritten bei zuckr. Oder vom StartupWeekend in Hamburg.

Im Augenblick sitze ich noch im Stilwerk um die Ecke vom Fischmarkt mit dem letzten Dutzend tapferer Startup-Gründer, größtenteils Entwickler, um unsere Idee auf die Straße z bringen. Seit heute morgen um 9 haben wir uns Ideen um die Ohren gehauen. Was dabei herausgekommen ist, will ich – mehr der Spannung halber – hier noch nicht im Detail verraten. Morgen Abend gibts die Auflösung.

Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich den Tag verfolgt. Großer Optimismus nach den 13 Vorschlägen im Pitch, Euphorie beim großartig kreativen Mindmapping, die erste Ernüchterung, als schon alles auseinanderstob, bevor wir uns auf eine konkrete Richtung geeinigt hatten. Seitdem schwanke ich zwischen behutsamem Optimismus und vorsorglichem Pessimismus.

Die Meinungen, ob am Ende in erster Linie ein ausgefeilter Businessplan oder ein fertiges Produkt nach dem Motto „quick and dirty“ stehen soll, gehen auseinander. Unsere Unterstützer von PWC sind für ersteres, ich eher für letzteres. Das sollte schließlich der Witz dieser Veranstaltung sein.

Einige Lehren kann ich schon jetzt aus dem Experiment ziehen. Etwa dass die Masse zwar vielleicht schlauer ist, aber nicht mutig. Der kleinste gemeinsame Nenner ist meist eher konservativ und unspektakulär. Das muss nicht negativ sein, es steigert die Chance auf ein zukünftig solides Unternehmen. Wirklich bahnbrechend innovativ ist man so aber nicht. Es lassen sich unzählige tolle Ideen generieren, aber schwer tragfähige Entscheidungen herbeiführen.

Mittlerweile wächst die Gruppe an und es wird noch angeregt diskutiert. Die Entwickler beginnen ihre Nachtschicht zur Umsetzung der über den Tag gereiften Idee und wir brainstormen noch über Details. All zu spät wird es für mich wohl nicht mehr werden, aber ich werde wieder mit Optimismus nach Hause gehen: Morgen Abend wird es etwas zu sehen geben.

Vom gestrigen Warmup gibts übrigens schon Fotos.

Trickfilmlegenden und Karteikärtchen

1. September 2007

Heute Mittag habe ich einen brandeins-Artikel über Crowdsourcing gelesen. Die Essenz: Der Nutzen steigt mit der Heterogenität der Crowd und der Schlüssel ist die Organisation dieses bunten Haufens. Gar nicht so trivial, da den Königsweg zu finden. Je mehr Antworten sich herauskristallisieren, desto mehr Detailfragen tauchen auf.

Was computergestützte Tools wie Trac angeht, hat Horst-Peter in seinem Kommentar im StartupWeekend-Blog sehr schlüssig für „Hardware“ plädiert, sprich: Karteikarten und eine Wand:

„Vorteile: Minimaler technischer Aufwand und geringes “Absturzrisiko”, wirklich jeder ist spontan in der Lage damit zu arbeiten und die Karten zu nutzen, Transparenz: Jeder kann jederzeit plastisch einen Überblick über die Anforderungen erhalten, man kann sie stapeln, markieren, numerieren, sortieren, gruppieren, anheften und jeder kann es sofort sehen und mitmischen.“

Das erscheint mir sehr einleuchtend. Am wichtigsten finde ich, dass wir damit viel Einarbeitungszeit sparen. Da wir alle gleichzeitig auf einer Etage arbeiten und nicht auf der ganzen Welt verteilt, sind wir schneller in den Nebenraum gegangen als wir ein Programm aufgerufen haben.

Dazu, wie sich die Teilnehmer innerhalb der Gruppen organisieren und zu Entscheidungen kommen, werden wir Vorschläge machen, aber keine Vorschriften. Cihan will dahingehend was ausarbeiten. Er wird hoffentlich später auswerten können, welche Methoden sich bewährt haben und welche nicht zielführend waren.

Peter Heßbrüggen empfiehlt für die Planung die Walt Disney-Methode:

„Hierbei gibt es 3 Räume (Visionär, Macher und Kritiker) die vergleichbar mit den Scrum Sprints in einzelnen Phasen durchlaufen werden. Hier wird bewußt in dem jeweiligen Raum mit bestimmten unterstützenden Methoden und Medien gearbeitet.“

Spannender Ansatz. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob sich dieser Rollen- und Raumwechsel mit unserem begrenzten Zeit- und Platzangebot verträgt, aber vielleicht können wir uns auch hier wieder das beste herauspicken und uns inspirieren lassen.

Gestern habe ich mit Joerg telefoniert. Mit einiger Scrum-Erfahrung plädiert er für eine Sprint-Dauer von zwei bis drei Stunden. Danach könnten Vertreter der Kompetenzgruppen in einer Art „Scrum Of Scrums“ den derzeitigen Stand durchgeben, Hindernisse mitteilen und Verbeserungsvorschläge unterbreiten, anschließend neue Aufgaben untereinander aufteilen (die werden als Post-Its an die Wand gehängt) und wieder auseinandergehen. Das sollte nicht viel länger als 20 Minuten dauern und lässt sich evtl. sogar auf die Pausen legen, sofern genügend Leute bereit sind, da mitzuziehen. Hindernisse kommunikativer oder handfester Art, die sich in diesen Meetings herausstellen, werde ich nach Kräften aus dem Weg zu räumen versuchen.

Wir sollten nicht auf irgendwelchen Methoden reiten, sondern nur im vorhinein ein Instrumentarium bereitlegen. Ob und wie wir es nutzen entscheiden wir spontan. Ein paar Vorschläge werden sicher noch hinzukommen. Als Inspirationsquelle zum Weiterlesen empfehle ich meine derzeitige Nachtlektüre: Eine Interviewsammlung zum Thema Crowdsourcing

„Gedränge“ auf dem StartupWeekend

27. August 2007

„Wer die Ordnung im Chaos findet, wird gewinnen;
wer das Chaos ordnen will, wird verlieren.“
– Hans Zaugg, Designer –

Wie Cem angekündigt hat, werde ich versuchen, den quirligen Haufen am ersten StartupWeekend zusammenzuhalten. Meine Aufgabe heißt Koordination. Das heißt keinesfalls, dass ich sage, was zu tun ist oder wer es zu tun hat. Im Gegenteil möchte ich mich nur darum kümmern, dass jeder bestmöglich tun kann, was gerade anliegt, Voraussetzungen und Verbindungen schaffen.

Im Interview für Gründerszene erklärt Cem unter anderem die vier Schritte, in denen das StartupWeekend abläuft (wer lieber liest ist bei Uli richtig – gute Besserung an dieser Stelle!). In Stichworten:

  • Pitch – Idee vorstellen in 3 Minuten, dann Abstimmung
  • Map Your Mind – grobe Planung und unterteilung in Teilprojekte und Kompetenzgruppen
  • Ausarbeitung in den Kompetenzgruppen
  • Zusammenführung

Cool, dass Joerg schon das Stichwort SCRUM in die Runde geworfen hat. Das hatte ich im Hinterkopf, als ich die Agile Businessentwicklung vorgeschlagen habe. Da wir nicht die Zeit für langatmige Konferenzen und ständiges Nachfragen haben, ist ein maximaler Grad an Selbstorganisation erforderlich. SCRUM (engl. „Gedränge“) basiert auf folgenden Prämissen:

  1. Individuen und Interaktionen gelten mehr als Prozesse und Tools.
  2. Funktionierende Programme gelten mehr als ausführliche Dokumentation.
  3. Die stetige Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über Verträgen.
  4. Mut und die Offenheit für Änderungen stehen über dem Befolgen eines festgelegten Plans.

Das Modell sieht die Verteilung von drei Rollen vor: Als Product Owner hätten wir den Pitch-Gewinner, eventuell auch ein kleines Leitungs-Gremium. Die übrigen bilden das Team. Dem Scrum Master in meiner Person kommt die Aufgabe zu, für Transparenz und Produktivität zu sorgen sowie Verbesserungspotentiale aufzuspüren. Er steht außerhalb der Hierarchie und ist nicht für die Kommunikation zwischen Team und Product Owner verantwortlich.

Als Tool für die Organisation schlägt Sven das Ticket-System Trac vor (kein Wunder dass ich das nicht finden konnte, hab es mit „ck“ versucht). Ich denke, mit SCRUM und Trac haben wir die passenden Instrumente. Für die Evaluation aus wissenschaftlicher Sicht, aber sicher auch für produktiven Input wird Cihan sorgen.

Die maximale Teamgröße, für die ich bisher verantwortlich war, waren ca. 30 Leute. Auch mit SCRUM bin ich nur zufällig in Berührung gekommen. Das ist also Neuland für mich, und ich freue mich über Unterstützung. Nach und nach will ich mich an die Einzelheiten herantasten. Gerade von geübten Projektmanagern und SCUM-Experten hätte ich gern Meinungen zur angemessenen Sprint-Länge, zum Product Owner (Einzelperson oder Gremium?), zur Größe der einzelnen Teams und allem, was ich bisher überhaupt nicht sehe.