Identitäts-Sammelalben – für wen?

21. November 2007

Vor kurzem hat mich ein Uni-Newsletter mit dem Schwerpunkt Online-Reputation erreicht. Nun ist das Thema also endlich auch in Institutionen wie Universitäten angekommen. Ganz neu ist es ja nicht, es ist nur über die Social-Network-Mitmach-Euphorie in Vergessenheit geraten. Jetzt kommt möglicherweise für die ersten Bewerber der Kater, wenn Personaler sie mit Fotos konfrontieren, auf denen sie herzlich eine Klobrille umarmen. Diverse Firmen wollen in diese Lücke stoßen. Ich halte diesen Markt für spannend und äußerst schwierig.

Der Amerikanische Dienst ReputationDefender tritt amerikanisch-Hemdsärmlig auf, mit den Stufen „search“ und „destroy“ macht er sich auf die Jagd nach rufschädigenden Inhalten über seine Klienten. Denen wird versprochen, dass missliebige Inhalte durch eine selbstentwickelte Technik und zeitraubende Arbeit entfernt würden. Für mich ist das bisher eher eine rechtliche als eine technische Frage gewesen.

Ich habe selbst vor einiger Zeit ein Konzept für die Abbildung von Reputationen im Netz entworfen, das auf Fremdeinschätzungen, also Empfehlungen und Kommentaren, basieren sollte, aber den Gedanken vorerst verworfen. Ein wenig in diese Richtung sollte auch mywhitelist gehen, von dem man aber nicht viel gehört hat. Im Moment wird dort umgebaut.

my ON-ID arbeitet mit Selbsteinschätzungen: Man sucht Inhalte über sich selbst aus dem Netz aus, die man präsentieren möchte, kann diese in eine Reihenfolge einordnen und kommentieren. Eine Art Online-Sammelalbum also, das sich, wie my ON-ID verspricht, für die meisten Personen weit oben unter den Google-Ergebnissen einreiht.

Nun frage ich mich aber: Wer will das lesen? Warum sollte ich mich mit selektiven, einseitig gefärbten Informationen begenügen, wenn ich auf der Suche nach Informationen über einen Menschen bin? Wenn ich bei Google suche, reicht mir das meist eben nicht. Dann bin ich auf der Suche nach den unzensierten, unkommentierten Informationen, im Zweifelsfall auch nach Flecken auf der weißen Weste. So wie gute Journalisten sich nicht mit der Pressemitteilung eines Unternehmens abfinden, würde ich solche Sammlungen immer kritisch hinterfragen.

Links zu Inhalten über mich kann ich auch beispielsweise in meinem Blog aggregieren. Darüber hinaus hilft weiterhin nur, mich auch im Netz vernünftig zu verhalten und nicht wie die Axt im Walde. Das sagt im Interview auch my ON-ID-Gründer Mario Grobholz, von dem ich bei der Gelegenheit eine neue Vokabel gelernt habe: „Ego-surfing“ steht wohl für die Suche nach dem eigenen Namen im Netz.

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