Wie aktuelle Web-Gründer NICHT sind (oder sein sollten?)

25. Juni 2007

Im zweiten Teil seiner Reihe „Gründerstimmung 2.0“ führt Jan Beckers bei Gründerszene Eigenschaften auf, die einen (Internet-)Gründer auszeichnen. Gegenfrage: Welche Eigenschaften sollte ein Gründer gerade NICHT haben? Welche Eurer Seiten müsst Ihr in Schach halten, was hat andere schon zu Fall gebracht?

Jan nennt folgende „Pros“:

„Klassische, allgemeine Unternehmer-Eigenschaften

– Risikobereitschaft
– Selbstvertrauen
– Unabhängigkeitsstreben
– Führungswille
– Leistungswille

Spezifische Gründer-Merkmale im Web(2.0)-Umfeld

– Technologie-Affinität
– Kommunikativität
– Ungeduld
– Intuition
– Gespür für die aktuellen unternehmerischen Chancen“

Meine „Cons“ – was sollte ein Gründer meiden:

Blinde Euphorie. Man muss es ja nicht mit Helmut Schmidt halten („Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“), aber viele gute Ideen scheitern m.E. am Verlust des Bodenkontakts. Gerade bei einzelnen Gründern oder Teams aus ZU ähnlichen Charakteren besteht die Gefahr, in Luftschlösser einzuziehen. Gut, wenn man Freunde oder Partner hat, die einen dann erden. Für mich fehlt in Jans Liste daher der Punkt „Besonnenheit“.

Übermäßige Planung. Der Punkt „Ungeduld“, den Jan auf die Karriereschritte münzt, lässt sich bei den Web-Gründern auch auf die Entwicklung der Projekte übertragen. Auch aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen: 80 Seiten Businessplan und anschließendes Kürzen helfen zwar, die Gedanken zu ordnen, kosten aber viel Zeit, die in Entwicklung und Vermarktung gehen könnte. Mittlerweile bevorzuge ich die „agile“ Methode, schließlich ist die Möglichkeit zur ständigen Arbeit am Produkt eine der großen Stärken von Online-Unternehmen.

Was fällt Euch noch ein? Was sind Eigenschaften, die der aktuellen Gründergeneration völlig abgehen (sollten)? Ich freue mich auf Ergänzungen.

8 Antworten to “Wie aktuelle Web-Gründer NICHT sind (oder sein sollten?)”

  1. AlexF Says:

    Zum Punkt „Planung“:
    Ich stimme Dir zwar einerseits zu, dass eine zu lange Planung einiges an wertvoller Zeit kosten kann, dennoch sollte man das auch als Online-Unternehmensgründer (oder vielleicht sogar gerade als solcher) nicht auf die allzu leichte Schulter nehmen. Einen „Plan B“ (oder sogar C) im Online-Geschäft sein Eigen nennen zu dürfen, sollte gerade in dieser schnelllebigen Welt ein großer Vorteil sein. Wie reagiert man, wenn ein Investor abspringt, weil es andere, aktuellere Projekte gibt? Was passiert, wenn zwei Wochen vor dem Public Release ein Konkurrent mit der gleichen guten Idee auftaucht und die künftigen Kunden vor der Nase wegschnappt (Wo sind meine Alleinstellungsmerkmale?). Ein paar Gedanken über mögliche Szenarien muss man sich als Gründer auch schon vor dem Unternehmensstart machen. Die müssen zwar nicht zwingend alle in den Businessplan, sollten aber zumindest schon einmal angedacht worden sein, falls es zum Fall der Fälle kommt.

  2. Till Achinger Says:

    Der Punkt ist, dass genau in der Zeit, in der man alle Details durchgeht und die Pläne B bis D schmiedet der Konkurrent seine zwei Wochen Vorsprung gewinnt. Man schafft Lösungen für Probleme, die man sonst nicht hätte.
    Der Investor, den Du ansprichst, fragt als erstes nicht nach den Details der Pläne, sondern danach, wie weit das tatsächliche Produkt ist.
    Ein Plan B muss sein, da stimme ich Dir zu. Der muss aber m.E. „on the fly“ entwickelt werden. Probleme von morgen heißen nicht umsonst Probleme von morgen.


  3. Offen gestanden ich habe es für mich persönlich auf eine sehr einfache Formel gebracht und das ist meine sehr persönliche Meinung.

    Wie ich eben im Buch „Erfolgsfaktoren Innovativer Unternhemen“ von Massimo S. Lattmann gelesen habe ist eine wichtige Eigenschaft des Entrepreneurs/Gründers: Abstand zur Situation gewinnen zu können um diese von allen Seiten betrachten zu können und schnell Chancen und Risiken erkennen zu können.

    Ich trete deshalb mal einen Schritt zurück und siehe da, plötzlich reduzieren sich die vielfältigen vorzugsweisen Eigenschaften und hoffentlich Nicht-Eigenschaften auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich den „gesunden Menschenverstand“. Ich behaupte mal das ist so ziemlich alles was man braucht um erfolgreich zu sein. Denn wer integer ist, seine Umwelt aufmerksam beobachtet, klar denken kann und dabei die richtige Balance zwischen Rationalität und Moral findet der schafft es auch andere von seinen Ideen zu überzeugen und begeistern.

    Persönlich mache ich es mir also nicht so schwer und analysiere nicht was sollte und was sollte nicht, sondern ich versuche einfach mit einem klugen „Mindset“ Chancen zu finden und umzusetzen, that`s all.

    So und jetzt wieder husch husch an die Arbeit😉

  4. Tim Says:

    Zum Thema: Übermäßige Planung

    Wenn man von Planung spricht, darf man vor allem nicht vergessen, die eigentliche Realisierung vernünftig anzugehen und zu planen und hier ist weniger oft mehr. Da verhält es sich genau so ungünstig wie Till es zuvor beschrieben hat, wenn man versucht das Projekt von vorne bis hinten durchzuplanen. Auf klassische Weise würde man versuchen, die Anforderungen an ein System zu Anfang komplett zu erfassen und den ganzen Kram in ein Pflichtenheft zu schreiben. Meiner Meinung nach, kann das auch schon das Ende sein. Oftmals ist das der Einstieg in eine nie enden wollende Diskussion über „Was kann unser System und was nicht“.
    Gerade an dieser Stelle ist es wichtig sparsam und agil zu sein. Man muss priorisieren und sich entscheiden was für den Anfang das Wichtigste ist. Es ist oft so, das die Entwickler versuchen dem Kunden zu vermitteln, dass ein „change-request“, also nachträglich gewünschte Funktionen oder Features viel teurer sind, als welche die im Vorfeld definiert und geplant wurden. Das führt dazu, dass der Kunde anfängt, alles nur Erdenklichen ins Pflichtenheft zu schreiben, egal wie absurd und unnütz. Frei nach dem Motto „Sicher ist sicher, jetzt ist es ja noch billig“.
    Das Resultat ist: Es wird übermäßig viel Zeit für die Anforderungsanalyse aufgewendet, mit dem Ergebnis, dass die Software bzw. das Projekt mehr Funktionen aufweist, als Sie überhaupt braucht. Der einstieg in die Entwicklung und damit der Zeitpunkt des „Time2Market“ wird immens nach hinten verschoben.
    An dieser Stelle ist intensive Planung ein Schritt in die falsche Richtung! Hier zählt agiles Vorgehen und iteratives Ausarbeiten der Anforderungen.

  5. Till Achinger Says:

    Oder anders gesagt: Besser ein paar Tage planen und ab da jeden Tag eine Stunde als zwei Wochen planen und hinterher gar nicht. Nicht zu vergessen eine Weisheit, die mir mein Vater vor 10 Jahren über Armbanduhren aufs Auge gedrückt hat: „Alles was dran ist, kann auch kaputt gehen.“ Also beginnt man lieber mit ein, zwei überschaubaren, durchdachten Features.

  6. Tim Langerbeins Says:

    Irgendwie kommt mir dieser Spruch bekannt vor. Ich glaube den hab ich nicht nur bei Armbanduhren zu hören bekommen😀

  7. AlexF Says:

    Richtig.
    Das war’s worauf mein Posting auch eigentlich abzielte: Im Auge behalten, dass alles kaputt gehen kann. Planen kann man sowas natürlich nicht wirklich, aber im Hinterkopf haben. Schließlich gibt’s ja immer noch Murphys Gesetz …😉


  8. […] dass übermäßige Planung schaden kann, habe ich auch schon festgestellt. Wo bleiben aber nun die Erfahrungen, Warnungen und Wahrheiten? […]


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