Büchse der Pandora geschlossen

2. Mai 2007

Es wird dringend Zeit für eine vernünftige internationale Lizenzpolitik für Musik und Filme. Im Glauben, auf den Killer loszugehen, attackiert die verwundete Industrie ihre letzten Notärzte: Pandora blockt ab morgen alle deutschen IPs. In einer E-Mail bedauern die Betreiber diesen Schritt, sehen sich aber aus lizenzrechtlichen Gründen dazu gezwungen. Damit ginge mir der größte Anlass verloren, noch Musik zu kaufen.

Das Prinzip von Pandora ist einfach, aber genial: Anstatt Musik in grobe Schubladen zu stecken, werden die Stücke mit unzähligen Eigenschaften verschlagwortet (basierend auf dem Music Genome Project). Hat man einmal ein Stück angegeben, das einem gefällt, entwickelt sich der persönliche Radiosender fast von allein: Mit jedem neuen Stück, das man mit „Daumen rauf“ oder „Daumen runter“ bewertet, „lernt“ das System den eigenen Musikgeschmack. Auf diese Weise habe ich eine Menge neue Musik entdeckt, die im Radio nie und nimmer läuft.

Doch damit soll nun Schluss sein – zumindest für Hörer außerhalb der USA. Bisher hatte es gereicht, die Postleitzahl meines Luftschlosses in Florida anzugeben (ich habe dort unzählige Untermieter), doch ab morgen müssen deutsche IPs draußen bleiben. So steht es zumindest in einer Mail, die mir eben zuging. Er könne kaum ausdrücken, wie sehr er diesen Schritt bedauere, teilt Pandora-Erfinder Tim Westergren mit. Ziel sei immer noch, Pandora zu einem globalen Service zu machen.

Sobald es etwas Neues gibt, wird es im Pandora Blog zu finden sein. Bis dahin werde ich mich nach einer Alternative umsehen müssen, Last.FM, das heimische iTunes oder das Saxophon rauskramen und selber spielen – meine Nachbarn wirds freuen. Oder einen Weg finden, um den IP-Block herumzukommen. Tipps werden gern angenommen.

Update: Mittlerweile hat es auch Heise mitbekommen und empfiehlt als Alternative Musicovery. Interessantes System. Man stellt dort intuitiv ein paar Parameter ein und navigiert sozusagen durch ein Netz von Songs. Ich hab im Raster einfach mal zwischen „energetic“ und „positive“ geklickt und werde gerade von Curtis Mayfields „Move on up“ beflügelt. Verabschiede mich dann auch auf ein Bier.

6 Antworten to “Büchse der Pandora geschlossen”

  1. Tobias Says:

    Ein simpler Proxy sollte hier Abhilfe schaffen! TOR wäre vermutlich das Spatzen Kanonen Prinzip…
    Also: Auf z.B. http://www.proxy4free.com/ findet man Proxy-Serverlisten. Dort nimmt man sich dann einen Proxy aus den USA, z.B. die 130.36.87.102, Port 8080. Entweder man stellt dann seinen kompletten Browser auf diesen Proxy ein, oder man installiert sich z.B. die Firefox-Erweiterung „FoxyProxy“ (https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/2464) und konfiguriert sie so, daß der normale Traffic ohne Proxy geführt wird und alle Aufrufe, die http://www.pandora.com enthalten über den angegebenen Proxy geleitet werden. Wenn der Proxy anonymous ist (der obige ist es!) dann sollte eine simple PHP-Class zur Landesvalidierung der IP – wie sie vermutlich bei Pandora im Einsatz ist – zu betrügen sein! Viel Spaß mit Pandora also auch weiterhin!🙂

  2. Till Achinger Says:

    Danke! Werde ich morgen ausprobieren und hier berichten.

  3. Till Achinger Says:

    Hallo Tobias, die von Dir angegebene IP funktioniert leider nicht, Pandora hält mich weiterhin für einen Europäer. Mit 66.98.238.8:3128 komme ich auf die gewohnte Seite, allerdings nur, wenn ich allen Traffic über diesen Proxy laufen lasse. pandora.com reicht nicht, aber vielleicht finde ich die anderen Adressen auch noch raus. Zielführend ist das immer noch nicht: Der Flash-Film lädt nicht.😦 Tröste mich mit Musicovery….

  4. Tobias Says:

    Lösung:
    http://tools.rosinstrument.com/cgi-proxy.htm
    URL http://www.pandora.com eingeben, warten, es folgt ein automatischer Redirect & TaTa! Pandora lädt.
    Problematisch: Wenn das alle machen würden, würde Pandora nicht mehr lange exisitieren….
    (Jetzt im Augenblick hat Pandora sowieso wegen der Umstellung technische Probleme… Abwarten also!)

  5. Tobias Says:

    Und wer nach weiteren Möglichkeiten sucht, trotz aller Hindernisse Pandora zu hören:
    http://franticindustries.com/blog/2007/05/03/how-to-access-pandora-from-outside-the-us/

  6. Tobias Says:

    Wer einen ähnlichen Web-basierten Musikplayer haben will, sollte sich einmal http://spool.fm/ angucken und anhören.
    Dieser Player ist nicht ganz so progressiv wie der Player von Pandora & man lernt nicht so viele neue Künstler kennen – dafür kann man aber einfacher alte Bekannte hören! BEWARE: Der Spool-Player ist im fürchterlichen Web2.0-Look!😉


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