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Den Überblick behalten: Einrichtung eines Blog- und Twitter-Monitoring-Cockpit

16. April 2008

Dass Microblog-Monitoring für das Issue Management äußerst nützlich sein könnte, habe ich schon im letzten Post angedeutet und Tools vorgestellt, wie sich der führende Dienst Twitter nach Themen und Marken durchsuchen lässt. Mit explodierenden Nutzerzahlen gewinnt der Dienst als Ursprung von Themenkarrieren und Echtzeit-Seismograph rasant an Gewicht.

Wer nun aber täglich aktiv Blogs und Microblogs nach seinen Themen durchsuchen will, ist gut beschäftigt. Bequemer ist es, sich einen Überblick frei Haus liefern zu lassen. Ein einfacher und kostenloser Ansatz ist ein “Monitoring-Cockpit”, wie ich es nutze. Ziel ist, möglichst schnell und zuverlässig über aufkommende Themen informiert zu sein. Dazu werden relevante Suchworte identifiziert, geeignete Suchmaschinen für die gängigen Blogs und Microblogs eingerichtet und die gewonnenen Feeds an einer Stelle gesammelt. Die Kommentare bei Mike Schnoors Corporate-Blog-Howto haben mich zu dieser Anleitung angeregt:

Themen auswählen

Im ersten Schritt sammle ich Themen, die ich monitoren oder “tracken”, also nachverfolgen will. In meinem Fall ist das alles, was mich, meine Projekte und die meiner Kudnen angeht. Ich suche nach meinem Namen (Vor- und Nachname, würde ich bei häufiger vorkommenden Nachnamen als Ausdruck in Anführungszeichen oder in Verbindung mit Ort oder Firma machen) meinem Nickname und beispielsweise für sonntagmorgen Kaffee nach dem Markennamen (gleichzeitig die Domain), dem Begriff Kaffee u.a. und den Marken einiger Mitbewerber.

Suchdienste einrichten

Nun weiß ich, was ich suche, aber wo? Hier geht es um Social Media, deshalb lasse ich klassische Newsdienste außen vor. Beim Blogmonitoring ganz vorn dabei ist Technorati. Standardmäßig zeigt die Blogsuchmaschine nur Blogs an, die bereits von einigen anderen Blogs verlinkt werden. Um alle erfassten Blogs zu durchsuchen, ändere ich die sogenannte Authority auf “any”. Technorati erfasst nur angemeldete Blogs, daher nehme ich Google Blogsearch hinzu.

Den Microblog-Platzhirsch Twitter durchsuche ich mit Tweetscan. Update: Die besseren Filterfunktionen bietet Summize. Für Pownce und Jaiku sind mir nur das Google-Mashup PownceSearch (Suchmaske hier) und die Jaiku Channels bekannt. Letztere sind aber nur ein Verschlagwortungssystem. Ersatzweise hilft eine einfache, auf die Jaiku-Domain beschränkte Google-Suche, wie hier als Beispiel zum Thema Kaffee. Der Haken: Für Pownce und Jaiku lassen sich keine Feeds auslesen, und die sind wichtig, um nachher alles auf einen Blick zu bekommen. Weiß jemand Möglichkeiten, die beiden Dienste noch abzudecken?

Ergebnisse zusammenfassen

Ich habe jetzt Suchergebnisse zu meinen Themen aus verschiedenen Quellen, die sich per Feed auslesen lassen. Die könnte ich natürlich alle einzeln mittels Feedreader oder Live Bookmark abonnieren. Übersichtlicher wird’s mit Diensten wie Feedraider oder iGoogle, bei denen man personalisierte Seiten aus verschiedenen Feeds zusammenstellen kann. Ich nutze Feedraider und stelle die Ansicht “River” gelegentlich in der Sidebar von Firefox dar, um sie im Blick zu behalten. Die beiden Erweiterungen Sidebar On Right (selbsterklärend) und Reload Every (automatische Aktualisierung) helfen dabei. Mehr dazu im Artikel “The Ultimate Twitter Client“.

Gerade die Webseiten-basierten Dienste bringen eine gewisse Verzögerung mit sich. Man will vielleicht auch nicht immer Screenspace dafür opfern und auf einem mobilen Endgerät sind sie unpraktisch. Eine Alternative ist es, die Feeds mit Feedblendr zu einem einzigen Feed zusammenzufassen, den man dann wieder als Live Bookmark oder im Feedreader auslesen kann. Vorteilhaft ist, dass es einem in einem Feedreader auch leichter fällt, Artikel zu archivieren oder weiterzuleiten.

Um jemanden, der mit dem Umgang mit RSS nicht vertraut ist, auf dem Laufenden zu halten, bietet sich SendMeRSS an. Der Dienst verschickt beliebige Feeds als E-Mail.

So präpariert sollte es einem wie Chuck Norris bei Google gehen. Ein so zusammengestelltes Tool ersetzt natürlich nicht die Recherche von Experten, vor allem bietet es nur die reine Information, keine Bewertung und keine Handlungsempfehlung. Es hilft aber, um sich der eigenen Position bewusst zu werden, und nötigenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

Mich würden Alternativen und Ergänzungen sehr interessieren. Welche Publikationen und Suchdienste habe ich vergessen?

Microblog-Monitoring-Möglichkeiten

8. April 2008

Arme Unternehmen, arme Berater. An dieses neue, unkontrollierbare und schwer durchschaubare, vor allem aber verdammt schnelle Ding namens Blog hat man sich so gerade gewöhnt, und nun kommt dieses Twitter daher wie Blogs auf Extasy. Die institutionalisierte Abwesenheitsmitteilung, die Nebensächlichkeiten der ganzen Welt, wildes Gezwitscher. Was machen wir damit? Am besten erst mal ignorieren: “Irrelevant, was soll auf 140 Zeichen schon passieren?”

Zwei Beispiele belehren uns eines besseren: Die Nachricht vom Konflikt zwischen erstiVZ und studiVZ wegen angeblicher Markenrechtsverletzungen machte zunächst bei Twitter die Runde, bevor sie nach und nach Einzug in die Blogs hielt. Erst als Spiegel Online anrief, zog studiVZ die Bremse. Twitter war über die ganze Dauer Motor und Seismograph der Diskussion.

Manch ein amerikanisches Unternehmen ist da schon weiter, wie Michael Arrington von Techcrunch schreibt: Der DSL-Provider Comcast beobachtet Twitter offenbar sehr genau. Bei einem Netzausfall und nach fruchtloser Zeit an der Hotline des Anbieters machte Arrington seinem Ärger bei Twitter Luft. Daraufhin rief ihn ein Comcast-Mitarbeiter an, die Störung wurde umgehend behoben.

Was kann die Unternehmenskommunikation unternehmen? Die Antwort kann nicht in jedem Fall lauten, sich in den Brandherd zu setzen. Selbst twittern ist die Kür, dieses Instrument muss zur Marke und ihrem Kommunikationsstil passen, braucht ein wenig Fingerspitzengefühl und Zeit. Finger weg, wenn das nicht gegeben ist. Ein wenig Beobachtung kann aber nicht schaden. Von der Public Timeline, in der ungefiltert sämtliche weltweiten Nachrichten dargestellt werden, sollte man sich dabei nicht abschrecken lassen. Eine Reihe von Monitoring-Instrumenten erleichtert die Beobachtung, auch ohne selbst bei Twitter angemeldet zu sein.

Wer sich einen Überblick darüber verschaffen will, welche Themen, Firmen und Produkte bei Twitter gerade heiß diskutiert werden, kann das bei Twitterverse tun. In einer Tagcloud werden dort die meistgenannten Worte gelistet. Den Vergleich der Nennungshäufigkeit mehrerer Schlagworten ermöglicht Tweetvolume, zum Beispiel zwischen “Clinton” und “Obama”. Dass Obama weit vorne liegt, überrascht nicht. Er bedient die internetaffinere Klientel und betreibt auch bei Twitter die bessere Kommunikation. Zum Beispiel indem er seine Fans nach den Regeln der Attention Economy belohnt: Jede “follow”-Anfrage wird ebenso beantwortet.

Über die reine Quantität hinaus gehen Schlagwort- und Suchdienste: Hashtags sammelt alle Tweets (Twitter-Nachrichten), die mit “#Schlagwort” zugeordnet wurden. Allerdings müssen die erfassten User zuvor einen bestimmten Twitter-Account zu ihren Freunden hinzugefügt haben. Diese Einschränkung gilt für Twemes zwar nicht, beide vereint aber ein Haken: Was nicht explizit verschlagwortet wurde, wird nicht erfasst. Das macht diese Dienste zu guten Tools zur Gruppen-Kommunikation z.B. für Veranstaltungen, aber fürs Monitoring kaum brauchbar.

Simpel und gut für diese Zwecke ist Tweet Scan. Komfortable Details: Man kann sich Permalinks und RSS-Feeds für spezifische Suchen, etwa nach Kaffee, anlegen. So kann man sich per Feed Reader oder Feed Aggregator über Tweets zur eigenen Firma, Mitbewerbern und wichtigen Schlagworten übersichtlich auf dem Laufenden halten.

Auf ein neues Tool bin ich gestern bei Klaus Eck gestoßen: Über Quotably lassen sich Konversationen bequem mitverfolgen, zum Beispiel meine oder die von sonntagmorgen.

Eine Warnung zum Schluss: Arrington rät nun jedem Kunden, der ein Problem mit Comcast hat, sich die Zeit in der Warteschleife zu sparen und gleich auf Twitter zum öffentlichen Angriff zu blasen. Die Kunden bemerken, dass dieser Rückkanal effektiver ist. Spricht das also gegen eine Reaktion auf Twitter-Nachrichten, Blogs & Co.? In meinen Augen spricht es eher dafür, es nicht so weit kommen zu lassen, sondern den Kunden einen bequemen und direkten Rückkanal zu bieten.

Nahezu alles, was man über Twitter wissen sollte, steht im “Big Juicy Twitter Guide“.Eine
umfassende Liste der verfügbaren Microblog-Monitoring-Services einschließlich der Twitter-Konkurrenten Pownce und Jaiku bietet Internetszene.

Buchstabensuppe - Namen für Startups

28. Februar 2008

[Kurzfassung: Gute Namen und Domains sind rar. Im Trend des Web-Namings liegen Doppelvokale, Zahlen, Personalpronomen wie Mein, Dein, Unser und demnächst auch 3. Person?]

Du bist gerade Vater geworden, stolz wie Oskar. Kommst aufs Standesamt und willst Deine Lea oder Deinen Rüdiger anmelden und es heißt: Da war schon einer, das geht nicht mehr. Du wirst sie oder ihn Leeaa oder RüdigR nennen müssen. So schauts aus in der schönen bunten Startup-Welt.

Wehmütig blickt man zurück in eine Zeit, in der das schlichte Anhängen von “-online”, “2000″ oder Voranstellen von “e-” noch reichte. Selbst die “i-” Namen werden knapp. Von “24″ und “VZ” sollte man mit schmalem Budget bekanntlich die Finger lassen. Oder man schaut noch weiter zurück, als die Unternehmen noch Thyssen oder Bosch hießen. Der von Brand Channel 2004 prognostizierte Trend zu Vornamen als Marken scheint sich nicht durchgesetzt zu haben. Selbst Pauls Mama wird umbenannt.

Einstweilen offenbart ein Blick ins Web 2.0 Sammelalbum eine Reihe von Naming-Trends für Startups. Die Not zur Tugend machen heißt das Gebot der Stunde, denn (fast) der gesamte Duden ist registriert. Die Muster der Namensfindung gleichen sich: Vokale verdoppeln oder weglassen, Zahlen einbauen, Wortkombinationen. Für einen Rückblick über das Jahr 2007 im englischsprachigen Raum sorgt Nancy Friedman. Einige ihrer Beobachtungen kann man auch schon hier machen.

Sie hat unter anderem einen Trend zu Personalpronomen ausgemacht. Im Falle von “mein” fällt das Magix Georg Krüger auch hier auf. Aktuell im Sammelalbum dazu: MyPipeline. Der Trend zur dritten Person, den Nancy ausmacht (They’re Beautiful, She’s Geeky), ist hier anscheinend (noch) nicht angekommen. Dafür scheinen die Zahlenspielchen (bekannt 37signals, aktuell 7tasks, 360cities) nach Deutschland zu kommen. Einer der ersten Vertreter: 7evendays.

Die unsägliche “R”-Welle nach dem Erfolg von Flickr scheint abgeklungen zu sein. Bei so viel “Vowel Dropping” hatte ich schon gedacht, im Web 2.0 müsste man Vokale wie beim Glücksrad kaufen und die armen Gründer könnten sich das nicht leisten. Stattdessen scheint nun ein regelrechter Vokal-Hype ausgebrochen zu sein: Besonders Startups im Shopping-Bereich, folgen dem Doppelvokal-Muster von woot, allen vorneweg der deutsche Klon guut.

Wenn man diese Namen im Gespräch auch buchstabieren muss, damit das Gegenüber die URL kennt (bei beeings hat man diese Problematik schon erkannt), lassen sie sich wenigstens aussprechen. Ganz im Gegensatz zu anderen verstümmelte Schreibweisen wie aktuell Shifd, oder Traackr, das den unaussprechlichen Namen mit Buchstabierzwang noch mit einem unleserlichen Logo abrundet. Ein echtes Highlight. Dagegen stechen unter anderem Tikkler und Twimbler heraus, die sich allein mit ihrer intakten Endung schon abheben können.

Bei der Namensfindung für sonntagmorgen haben wir, als wir in der gedanklichen Sackgasse steckten, Wortfelder als Mindmaps erstellt, geschichtliche und sonstige Fachartikel gelesen und eine Typologie der Mitbewerber-Namen erstellt. Am Ende sind brauchbare Ergebnisse herausgekommen, denen es aber im Gegensatz zu sonntagmorgen an Seele mangelte. Das war letztlich eine Bauchentscheidung und eine, mit der wir immer noch sehr glücklich sind.

Eine gute Checkliste fürs Startup Naming gibts bei Folksonomy, eine weitere bei Guy Kawasaki. Wir haben uns nicht dran gehalten. Geholfen hats trotzdem.

StudiVZ-Abmahnungen: Nun ist abitur-vz dran

17. Februar 2008

Kaum ebbt die Aufregung über StudiVZs Abmahnung gegen ErstiVZ ab, da holen die Deutschen Meister der Blog-Negativ-PR das Thema wieder auf die Tagesordnung. Nun ist abitur-vz dran. Was für ein Egoproblem muss man haben, um eine Seite, die allen Ernstes Comic Sans für Fließtext verwendet, in einem juristischen Schreiben als Konkurrenz zu bezeichnen? Der Betreiber Abidin Kekec, der nun, wie zuvor Peter von ErstiVZ, rund 2.000 Euro latzen soll, findet das natürlich nicht so lustig, wie man in seinem Kommentar bei denQuer lesen kann.

Wahrscheinlich wird auch er klein beigeben, StudiVZ die Domain übertragen und sich eventuell noch über die Höhe der Abmahngebühr einigen können. Bei einem Streitwert im sechsstelligen Bereich überlegt sich ein Abiturient/Student zweimal, ob er es mit einem übermächtigen Gegner aufnimmt. Bis zu Spiegel Online wird er es mit seinem Fall vielleicht auch nicht schaffen.

Könnte es sein, dass hinter der derzeitigen Welle eine Art SEO-Schlacht steht? Je mehr über Abmahnungen VON StudiVZ diskutiert und geschrieben wird, desto mehr rückt die Abmahnung GEGEN StudiVZ in den Hintergrund. So richtig scheint es noch nicht aufzugehen

Ich bin gespannt, ob die Elefanten im Web 2.0-Porzellanladen mal auf jemanden stoßen, der es auf einen Prozess ankommen lässt und finde es schade, dass ich nie im StudiVZ war. Ich würde auch so gerne austreten.

Update: Lustig könnte es, wie Bastian Ebert anmerkt, bei anwaelte-vz.de werden. ;-)

Einigung zwischen erstiVZ und studiVZ

15. Februar 2008

Zwischen der Community StudiVZ und dem Studentenprojekt ErstiVZ scheint es zu einer Einigung gekommen zu sein: ErstiVZ-Betreiber Peter Grosskopf teilte eben die Lösung des Konflikts mit. Da Peter von der geplanten Einrichtung eines Spendenkontos nun Abstand nimmt, darf man vermuten, dass er die zunächst vom Anwalt geforderten 2000 Euro Abmahngebühr nicht oder nicht in voller Höhe zahlen muss. Er wird sich für sein Projekt aber einen neuen Namen suchen müssen (Vorschläge? Ich wär ja für ErstiBC).

Dass von der ersten Meldung bis zur Einigung nur 28 Stunden vergangen sind, dankt Peter vor allem der schnell aufgebauten Öffentlichkeit: Von Twitter fand das Thema innerhalb von Minuten in die Blogs und Onlinemedien, bis sich auch große Nachrichtenportale dafür interessierten.

Ob hinter dem plötzlichen Einlenken von höchster Stelle echte Einsicht oder nüchterne Deeskalationspolitik steht, lässt sich von außen kaum beurteilen, spielt aber zunächst eine untergeordnete Rolle. Für mich entscheidend ist, dass Peter für sein Engagement an der Uni nicht auch noch büßen musste und dass der Fall ein anschauliches Beispiel für die Herstellung von Öffentlichkeit durch Twitter und Blogs geworden ist.

Am Rande imponiert mir, dass Peter bei alle dem Stress mit Anwälten, A-Bloggern und Journalisten, bei dem er wahrscheinlich noch ein paar neue Freunde kennengelernt hat, noch zeit für Katzencontent hatte. ;-)

Nix Dunkeldeutschland!

11. Februar 2008

…das Barcamp Mitteldeutschland war im Gegenteil sehr erhellend! Es lag sicher auch an meiner selektiven Wahrnehmung und meiner Session-Belegung, aber ich hatte den Eindruck, es ging recht viel um Wikis für Wissensmanagement und interne Unternehmenskommunikation, zum Beispiel zu Wikipatterns, was ich sehr interessant fand. Wie gesagt, vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich beratungsmäßig und bei sonntagmorgen im Moment dauernd damit zu tun habe.

A propos sonntagmorgen: Aus unserer bisher mit Abstand größten Live-Kaffee-Demo haben wir ein rundum positives Fazit ziehen können. Es war, als wir da waren, weit weniger stressig als gedacht und so weit ich bisher gehört und gelesen habe, waren die anderen Barcamper hochzufrieden. So hatten wir die Gelegenheit, bei zahlreichen Sessions dabeizusein.

Eine hat mich gedanklich ganz besonders beschäftigt: “5 wild ideas in 45 minutes” von Oliver Gassner. Über Prediction Markets will ich mich in Zukunft noch schlau machen. Eines der wenigen Schlagworte, für die es noch keinen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel gibt. Das macht es um so interessanter.

Was mir noch nicht endgültig einleuchten wollte, ist sein Erlös-Verteilungssystem für den Longtail. Der Vorteil soll sein, Micropayments von Cent-Bruchteilen zu vermeiden und nicht warten zu müssen, bis z.B. 20 Euro für eine Auszahlung aufgelaufen sind. In dem einleuchtenden, aber komplexen System sollten die Produzenten von User Generated Content z.B. einer werbefinanzierten Seite in Gruppen aufgeteilt werden, in denen reihum eine größere Summe ausgezahlt wird:

Nach festgelegten Kriterien wird jeweils zwischen Head und Tail unterschieden, dann der verbleibende Tail wieder in Head und Tail unterteilt etcpp., bis bei der letzten Teilung mehr User im Head als im Tail wären. Immer wenn eine Summe Geldes zur Verteilung stünde, würde zunächst für den ersten jeder der entstandenen Gruppen ein fixer Betrag ausgezahlt, in der nächsten Runde für den zweiten usw.

Nun die Sinnfrage: Warum ist das besser als jedem Produzenten erst etwas auszuzahlen, wenn eine bestimmte Schwelle erreicht ist? Nach diesem System dauert es doch noch länger, bis die Auszahlung den letzten im Longtail erreicht. Kann mir da jemand helfen?

Erhellend waren aber nicht nur die Sessions, sondern auch das Wetter, und so konnte ich besonders am Sonntag die Aussicht auf das Jenaer Umland genießen. Notiz an mich selbst: Ich möchte in einer Gegend wohnen, die einen sichtbaren Horizont zum Draufgucken hat. Sorry, Münster!

Danke an die Organisatoren Lars, Holger und Tina und an alle Helfer. Im Gegensatz zu vielen anderen hat mir ein funktionierendes W-LAN nicht gefehlt: Ich habe das Experiment eines Laptop-losen Barcamps gewagt und es ist gelungen! So hatte ich viel mehr Zeit für persönliche Gespräche und kleine Auszeiten. Viel wichtiger wäre mir genau deswegen aber ein gemeinsames Essen gewesen. Wenn schon jede Menge MyMuesli-Dosen dastanden, hätten Schalen und Milchtüten nicht geschadet, und in einem breiten Korridor um die Mittagszeit haben sich die Teilnehmer in alle Winde zerstreut. Versteht das aber als Jammern auf hohem Niveau: Es war schön, so viele neue Leute kennen zu lernen und eine schöne Gegend Deutschlands zu bereisen, die ich bislang nicht kannte. Ich hoffe auf ein nächstes mal und freu mich schon.

“Super Tuesday” aus der Vogelperspektive

5. Februar 2008

Faszinierend und fesselnd ist der Blick auf die US-”Primaries”, die Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur, den ein Mashup aus Google Maps und Twitter namens Twittervision bietet. Eine Landkarte voller Meinungen ganz normaler Menschen. Na gut, so weit man Twitteruser als “ganz normal” einstuft.

Twittervision verortet die 140-Zeichen-Statements der Twitter-User auf der virtuellen Landkarte von Google Maps. So sieht man dort nun alle paar Sekunden eine neue Nachricht von irgendwo aus den Staaten und häufig auch aus Europa, zumeist Aufforderungen zum Wählen oder Parteinahmen für den einen oder anderen Kandidaten, aber auch Kommentare zum Ablauf und Drumherum.

Es lohnt sich, diese kleine Welt für ein paar Minuten aus dieser neuen Perspektive zu betrachten in dem Wissen, dass man gerade einen winzigen Ausschnitt aus der unfassbar großen Menge individueller Perspektiven zu sehen bekommt, die sich in Kürze auf einen einzigen Menschen einigen sollen, um ihr Land durch die nächsten vier Jahre zu führen.

Das Internet ist etwas wunderbares. Demokratie ist ein kleines Wunder.

Wie funktioniert ein Barcamp?

10. Januar 2008

Hallo Jan,
da ich diese Frage öfter höre und Du sicher nicht der letzte bist, kommt die Antwort per Blogpost:

Die Teilnahme an einem Barcamp lohnt sich. Zunächst mal: Hast Du Dich schon angemeldet? Wenn nicht, mach das am besten gleich. Die Plätze sind begehrt und immer schnell ausgebucht. Noch dazu sind sie kostenlos. Allerdings gebietet es die Fairness, sich nur dann anzumelden, wenn man ernsthaft vor hat, dort auch aufzuschlagen. Mit Fehlkalkulationen aufgrund von “No-Shows” gab es in der Vergangenheit Probleme.

Ein Barcamp kannst Du Dir vorstellen wie eine extrem lockere Konferenz. Barcamps werden Un-Konferenzen genannt, weil sie ohne vorher festgelegte Referenten und Schedules auskommen. Die Themen werden vor Ort von den Teilnehmern ausgewählt.

Am Freitag gibt es irgendwo in der Nähe eine Party, meist und idealerweise mit Freibier. Samstags trifft man sich zum Frühstück in den Konferenzräumen und beginnt mit einer Vorstellungsrunde. Das geht trotz ca. 200 Teilnehmern recht zügig, wenn jeder nur drei Tags nennt, zum Beispiel “Pfandtasse, Kaffee, Startup”.

Anschließend schlägt jeder, der eine Session anbieten will, sein Thema vor, die Interessenten geben Handzeichen. Die Themen reichen von sehr spezifischen technischen Fragen über die Vorstellung neuer Dienste bis zu eher allgemeiner Internet-Ökonomie und -Soziologie. Themen, für die sich genug Teilnehmer finden, werden auf einen Zettel geschrieben und auf einen freien Fleck im Zeitplan gepinnt. Wenn die Themenwand voll ist, gibts noch einmal kurz Gedränge davor, dann verteilen sich alle.

Im Optimalfall sollte der Anbieter der Session keinen einstündigen Vortrag daraus machen, sondern einen Austausch unter den Teilnehmern anregen und moderieren. Wenn dann weder ein Stuhlkreis noch ein Clash of Egos daraus wird, hast Du die ideale Session miterlebt.

Mach nicht den Fehler, Dir den ganzen Tag zu verplanen. Du kannst auf dem Flur oder am Kaffeestand eine Menge interessante Leute kennenlernen, die meist sehr aufgeschlossen sind. Die Teilnehmerlisten im Netz und die obligaten Namensschilder (oder mir sehr sympathischen Kreppbänder) erleichtern es, ins Gespräch zu kommen.

Gegen 18 Uhr ist die letzte Session gelaufen und man zieht in kleinen Gruppen zum Essen. Anschließend kann man mit den üblichen Verdächtigen noch bis zum Sonnenaufgang um die Häuser ziehen. Sonntag ist dann alles weitgehend wie Samstag, nur dass vormittags die üblichen Verdächtigen fehlen.

Schau es Dir selbst an. Die nächsten Termine in der Nähe sind in Hannover und Essen. Ich werde auch nach Jena fahren. Am Bodensee ist auch noch eins geplant. Eine vollständige Liste gibt es unter barcamp.org.

Nachtrag: Ich hab ein paar Eindrücke von meinen bisherigen Barcamps Köln (Tag 1 | Tag 2) und Berlin notiert.

Nachtrag 2: Die Anmeldung für das Barcamp Ruhr in Essen soll laut Kathrin vom Orga-Team am Dienstag Mittag freigeschaltet werden.

Barcamp Hannover - Anmeldung gestartet

5. Januar 2008

Seit etwa einer Viertelstunde kann man sich anmelden für das

BarCamp Hannover 2008

Barcamp Hannover
23. und 24. Februar 2008
Institut für Journalistik
und Kommunikationsforschung (IJK) (Map)
Expo Plaza 12
30539 Hannover

Ich hab es wieder nicht geschafft, zumindest unter den ersten drei zu sein. Bräuchte so was wie einen Barcamp-Sniper. Wenn man weniger sportliche Ambitionen hat, reicht es aber auch, sich bei mixxt anzumelden, kurz sein Profil zu erfänzen und im Barcamp-Hannover-Wiki unter “Events” seine Teilnahme anzusagen.

Wir sehen uns in Hannover:
barcamphannover.mixxt.de

I LOVE the bubbles!

4. Dezember 2007

An welcher Stelle von “Findet Nemo” muss ich ans Web 2.0 denken? “I love the bubbles!” Hier kommt die offizielle Hymne:

Tobias, Du wirst es lieben.

Update: Die Bubble ist umgezogen.